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Interview mit Thomas Stockhorst
"Eltern müssen sich in Griffweite aufhalten"
Von Dominik Pieper
Der Tod des vierjährigen Jungen nach einem Badeunfall im Monte Mare Rheinbach wirft Fragen auf - etwa nach der Aufsichtspflicht. Die liegt nicht nur beim Badbetreiber. Was Eltern beachten müssen, wenn sie mit ihren Kindern schwimmen gehen, erklärt Thomas Stockhorst von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) im GA-Interview.
Sicherheit beim Baden: 'Die Eltern müssen ihren Teil beitragen', sagt Thomas Stockhorst. Foto: Dominik Pieper
Ab welchem Alter kann man Kinder unbeaufsichtigt im Wasser spielen lassen?
Thomas Stockhorst: Das kann man nicht am Alter festmachen. Das kommt wesentlich auf die Schwimmqualifikation des Kindes an.
Reicht es, wenn ein Kind das Seepferdchen hat?
Stockhorst: Nein, das ist nur eine Vor-Qualifikationsstufe. Selbst nach dem Bronze-Abzeichen kann es sein, dass Kinder noch eine gewisse Beaufsichtigung benötigen - auch wenn sie dann schon etwas sicherer im Wasser sind. Neben der Qualifikation ist nämlich auch die geistige Reife wichtig.
Inwiefern?
Stockhorst: Kann das Kind seine Kräfte richtig einschätzen? Kann es beurteilen, ob es sich oder andere in Gefahr bringt? Diese Fragen sind entscheidend, ebenso die Anatomie und die Koordinationsfähigkeit des Kindes. Der Kopf ist gerade bei kleineren Kindern im Vergleich zum Körper relativ groß, er ist also ein Schwerpunkt. Wenn Kinder kopfüber nach vorne kippen und sich nicht direkt aufraffen können, dann wird es gefährlich - auch wenn das Wasser nur knietief ist.
Unterschätzen Eltern diese Gefahren im Bad?
Stockhorst: Man kann häufiger beobachten, dass Eltern lieber auf der Liegewiese liegen, anstatt ihre Kinder ins Wasser zu begleiten. Dabei müssten sie sich selbst im Nichtschwimmerbecken in Griffweite aufhalten.
Und der Badbetreiber?
Stockhorst: Der stellt eine Beckenaufsicht und muss dafür sorgen, dass alles in geordneten Bahnen abläuft. Aber machen wir uns nichts vor: Ein Schwimmmeister kann nicht jeden einzelnen an die Hand nehmen, wenn das Bad voll ist. Da müssen die Eltern ihren Teil beitragen.
Bei dem Badeunfall in Rheinbach war eine Taucherbrille im Spiel. Ist das nichts für Kinder?
Stockhorst: Grundsätzlich sind Taucherbrillen nicht gefährlich - vorausgesetzt, sie werden richtig eingesetzt. Auch darauf sollte unbedingt ein Erwachsener ein Auge halten, gerade bei Kindern, die noch nicht schwimmen können. Auch die gehen mit Taucherbrillen gerne unter Wasser, schließlich kann man damit alles klar sehen. Es ist für sie ein Spaßgerät, ähnlich wie eine Wasserpistole.
Zur Person
Thomas Stockhorst (37) ist stellvertretender Bezirksleiter der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) Bonn. Der Bezirk unterhält neun Schwimmausbildungszentren, unter anderem im linksrheinischen Kreisgebiet.
Artikel vom 04.08.2012
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