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Erinnerung an EM 1992
Dänisches Lakritz zum Fußball
Von Michael Lehnberg
SANKT AUGUSTIN. Gerade läuft das Spiel Dänemark gegen Portugal. Charlotte und Martin Baer schauen gebannt zu, was auf dem Spielfeld im Fernsehen gerade passiert. Da fällt das 2:0 für Portugal. Das Spiel ist gerade 35 Minuten alt. "Oh, Oh, Oh", ruft Martin Baer aus. Natürlich fiebert er mit, wenn Dänemark spielt, ist Ehefrau Charlotte doch in Dänemark geboren.
Können dem anderen auch gönnen: Die Dänin Charlotte Baer und ihr deutscher Ehemann Martin. Foto: Holger Arndt
"Etwas anderes ist das nur, wenn die Dänen gegen Deutschland spielen", sagt Charlotte Baer. "Da gibt es schon gegenseitige Frotzeleien", sagt der Sankt Augustiner, der mit Ehefrau Charlotte in Menden wohnt. Im Grunde aber sei für beide Fußball mehr Spaß, Freude und Spannung, vor allen Dingen, wenn es um Europa- oder Weltmeisterschaften geht. "Aber heute wird es wohl nur einen Trostsekt geben", sagte Charlotte Baer mit Blick auf den Fernseher. Sie sollte Recht behalten. Die Portugiesen gewannen das Spiel am Ende mit 3 : 2.
Nebenan an den Nachbarhäusern wehen Deutschlandfahnen. Wer zu den Baers will, muss indes an einer großen Dänemark-Flagge vorbei. Ob sie am Sonntag nach dem letzten Gruppenspiel von Jogis Elf gegen die Dänen geschwungen oder eingerollt wird, hängt ganz davon ab, wie das Spiel ausgeht.
Für Martin Baer ist klar: "Deutschland gewinnt 3:1". Ehefrau Charlotte tippt das gleiche Ergebnis, nur mit den Dänen als Sieger. "Das ist schon ein wenig optimistisch", meint Martin Baer, der in seiner Jugend auch aktiv Fußball spielte. "Die Dänen sind der Außenseiter", sagt er. Was Charlotte ganz anders sieht. "Da erinnere ich nur an den Sieg der Dänen im Finale der EM 1992."
Gleichwohl kann Ehemann Martin auch gönnen. "Wenn wir zusammen Dänemark gegen Deutschland schauen, wird es fröhlich und lustig werden." Ganz wichtig: Dänisches Lakritz darf dann nicht fehlen. "Zum Ehestreit kommt es definitiv nicht", sagt Martin Baer. Für Jogi Löw hat er den Tipp, sein Team nicht wie die Bayern spielen zu lassen. Er sollte sich die Dortmunder zum Vorbild nehmen. "Die spielen mehr nach vorne."
Auch Charlotte Baer hat als Kind in Dänemark gekickt, im Hof ihrer Großeltern, wo sie häufig war, mit ihrem Aufpasser. Und der war kein geringerer als der spätere Nationalspieler Thorben Frank. Als Charlotte Baer mit ihren Großeltern Jahre später ein Länderspiel schaute, riefen die: "Guck mal, da spielt Dein Babysitter."
Besondere Vorbereitungen auf das Spiel am Sonntag treffen die Baers nicht, außer vielleicht einen gemeinsamen Fußballabend mit den Nachbarn zu organisieren. "Zwei Häuser weiter wohnt auch eine Dänin, die mit einem Deutschen verheiratet ist." Die Fußballwelt ist klein. Das verspricht einen lebhaften Fußballabend, der für Charlotte gerne mit einem dänischen Sieg enden kann. "Wenn die Deutschen verlieren, kann ich das meinem Mann ein halbes Jahr vorhalten", sagt Charlotte und lacht. Was sie natürlich nur mit dem nötigen Respekt macht.
Wie es auch ausgeht: Der andere kann gut akzeptieren, wenn das jeweils andere Team gewinnt. "Hauptsache, es ist ein schönes Spiel, und man kann sagen, der Bessere hat gewonnen", meint Martin Baer. So gegen 22.30 Uhr am Sonntag werden sie es wissen.
Artikel vom 16.06.2012
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