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Bad Honnef/Bonn. Im Prozess vor dem Bonner Schwurgericht gegen die Pflegeeltern der in der Badewanne ertrunkenen neunjährigen Anna wurde am 17. Verhandlungstag erneut der Rektor der Grundschule im Zeugenstand gehört.
Und der 46-Jährige scheint einer der wenigen Menschen zu sein, die versucht haben, herauszufinden, wie es Anna in der Pflegefamilie wirklich ging. Wie schon im ersten geplatzten Prozess berichtete der Pädagoge von zwei Ereignissen, die bei ihm das "Bauchgefühl" hinterließen, dass da "irgendetwas nicht in Ordnung ist".
Zunächst hatte die Mutter einer Schülerin den Schulleiter im Oktober 2010 gemeinsam mit einer Freundin - einer Nachbarin aus dem Haus der Pflegefamilie - aufgesucht, da diese sich "große Sorgen um das Wohl" von Anna machten. Der Auslöser: Nachts hatte die Nachbarin mehrfach Schreie des Mädchens bis in ihre Wohnung gehört.
Der 46-Jährige führte daraufhin nach eigenen Angaben ein Telefongespräch mit der Pflegemutter und fertigte aufgrund der "außergewöhnlichen Situation", die er so in seinem Berufsleben noch nie erlebt habe, einen schriftlichen Vermerk an.
Nur einen Monat später, am 30. November, kam es in seinem Büro zu einem Gespräch mit den Pflegeeltern und der zuständigen Mitarbeiterin des Jugendamtes Königswinter - vorausgegangen war ein Polizeieinsatz in der Pflegefamilie. Bei dem Gespräch habe die Mitarbeiterin des Jugendamtes "versichert", dass es Anna in der Familie gut gehe und ein regelmäßiger Kontakt mit dem Jugendamt bestehe.
Davon, dass die Neunjährige bald in einem Heim untergebracht werden sollte - mehrere Zeugen hatten berichtet, dass die Pflegeeltern ihnen dies erzählt hatten - wusste der Schulleiter genauso wenig wie ein 51 Jahre alter Sozialpädagoge, der am Montag ebenfalls vor Gericht aussagte. Er war vom Jugendamt hinzugezogen worden; seine Hauptaufgabe war es nach eigenen Angaben, sich um die Vermittlung zwischen der Pflegemutter und der leiblichen Mutter zu kümmern. Mit Anna selbst habe er im letzten halben Jahr nur zwei Mal gesprochen - stets im Beisein der Pflegemutter.
Erhebliche Zweifel hatte der Sozialpädagoge an der Schilderung der Pflegemutter am Abend des Tattages. Die 52-Jährige habe ihn nach dem Vorfall "völlig aufgelöst" angerufen und erzählt, dass Anna alleine baden wollte. Dann habe das Mädchen plötzlich leblos in der Badewanne gelegen.
Artikel vom 13.09.2011