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Jahresbericht
Caritas warnt vor Pflege-Notstand im Rhein-Sieg-Kreis
cla
RHEIN-SIEG-KREIS. Der Verband bedauert im Jahresbericht 2011 den Wegfall der Zivildienstleistenden und fordert Unterstützung seitens der Politik.
Der Caritasverband Rhein-Sieg hat am Montag seinen Jahresbericht 2011 vorgestellt. Und der lässt bei Harald Kippel, Kreis-Caritas-Direktor, und Vorstandsmitglied Heinz-Jürgen Land keine wirkliche Freude aufkommen.
"2011 war das Jahr, in dem der Zivildienst eingestellt wurde. Die Folgen spüren wir und unsere gut 1000 Patienten in der ambulanten Pflege deutlich", sagte Kippel im Haus der Caritas in Siegburg. Waren es bislang stets 30 Zivis, die den Senioren oder körperlich Beeinträchtigten mehr oder weniger täglich zur Hand gingen, arbeiten zur Zeit zehn Menschen im Freiwilligen Sozialen Jahr und zwei junge Erwachsene, die den Bundesfreiwilligendienst absolvieren, für die Einrichtung.
"Das bedeutet einen Rückgang um 60 Prozent", verdeutlichte Kippel die Situation. Seiner Einschätzung nach dürfte sie sich in den kommenden Jahren noch verschärfen. Aktuell sind beim Caritasverband Rhein-Sieg 278 Kräfte im Bereich Altenpflege und 177 in den Sozialen Diensten im Einsatz.
"Auf der einen Seite sehen wir uns einem demografischen Wandel gegenüber, der allein in unserem Zuständigkeitsgebiet bis 2020 den Einsatz von etwa zehn Prozent mehr Personal erfordert. Auf der anderen Seite schafft die Politik keine an diesem Wandel orientierten Vorgaben, sei es bei den Kosten, die durch die Pflegeversicherung abgedeckt werden müssten, sei es bei der schlechten Finanzierung von Maßnahmen seitens der Krankenkassen."
Dabei tut die Caritas einiges, um den prognostizierten Pflegenotstand klein zu halten: Im Jahr 2011 bildete der Verein 28 junge Menschen zu Pflegefachkräften, Hauswirtschaftern, Köchen oder Bürokaufleuten aus. "Wir können natürlich nicht alle bei uns ausgebildeten Personen halten", gab Kippel zu.
Obwohl der Caritasverband im Vergleich zu den meisten privaten Anbietern der ambulanten Pflege das im Tarif verankerte - und damit durchschnittlich höhere - Gehalt zahle, sei es schwierig, überhaupt noch Kräfte zu finden, die sich mit "Herz und Hirn" um die Betroffenen kümmern. "Besonders kritisch ist die Situation im ländlichen Teil des Kreises", so Kippel. Daher ist für 2012 die Einrichtung einer Pflegestation in Eitorf geplant. 2013 soll das entsprechende Angebot in Niederkassel etabliert werden.
Kippel stellte jedoch klar: "Die Caritas kann sich nicht am Marktwachstum beteiligen, wenn die Rahmenbedingungen sich nicht ändern." Diejenigen, die jetzt ohne Unterstützung durch Zivildienstleistende dastehen, können seine Mitarbeiter nur an Dienstleistungsanbieter verweisen. "Das wird aber teuer. Da sollte man sich fast überlegen, ob man nicht eine 24-Stunden-Kraft ins Haus holt. Ohne die wäre die Pflegesituation hier sowieso schon eskaliert."
Artikel vom 12.06.2012
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