Informationsveranstaltung in Erpel: Bahnlärmgegner machen mobil | GA-Bonn

Informationsveranstaltung in Erpel

Bahnlärmgegner machen mobil

erpel.  Mit der Ruhe ist es vorbei. Jahrelang hatten die vom Bahnlärm betroffenen Menschen im unteren Mittelrheintal in einer Art resignativem Schweigen verharrt, doch ab jetzt wollen sie ihren Protest lautstark kundtun. Und es sind viele - allein 150 Bahnlärmgegner waren dem Aufruf "Wachen Sie auf, bevor Sie alle drei Minuten aufgeweckt werden" gefolgt und am Mittwochabend zu einer Informationsveranstaltung im Bürgerhaus in Erpel erschienen.

Gegen den Bahnlärm entlang der Rheinschiene wenden sich die betroffenen Bürger. Das Foto entstand in Erpel. Foto: Frank Homann

Es schien, als hätten sie lange darauf gewartet, dass endlich etwas geschieht. "Es wird Zeit: Wenn wir weiter nichts tun, außer uns zu ärgern, wird sich auch nichts ändern", sagte eine Frau aus Unkel. Eingeladen hatten die Interessengemeinschaft gegen Bahnlärm und Erschütterung aus Leutesdorf, der Verein zum Schutz gegen Immissionen im Neuwieder Becken sowie die neu gegründete Initiative gegen Bahnlärm (BIN) aus Bad Honnef.

Mit im Boot war auch der erste Beigeordnete des Kreises Neuwied, Achim Hallerbach. Unter seiner Führung war bereits der "Arbeitskreis Bahnlärm Rheintal" neu ins Leben gerufen worden, der weitere Infoveranstaltungen organisieren und Bürger zum Mitmachen motivieren soll. Da Bahnlärm nicht an der Landesgrenze Halt macht, freuten sich die Initiatoren, am Mittwoch auch den Umweltdezernenten des Rhein-Sieg-Kreises Michael Jäger unter den Zuhörern begrüßen zu können.

Die gute Nachricht vorab: "Es gibt Hoffnung, dass wir tatsächlich etwas erreichen können", sagte Referent Frank Gross, Vorsitzender des Bürgernetzwerks "Pro Rheintal" aus Boppard, das seit langem gegen die Lärmbelastung durch den Schienenverkehr kämpft. Wie er berichtete, konnten Bahnlärmgegner am Oberrhein nach jahrelangem Kampf jetzt den Bau einer "bürgerfreundlichen Trasse" erreichen. "Unsere Freunde dort haben das nur geschafft, weil sie sich einig waren", betonte Gross.

Die Erfahrung zeige auch, dass man heutzutage neue Wege gehen müsse, um sich Gehör zu verschaffen. "Zum Protest auf die Schienen zu gehen, ist alt und nicht mehr der Weg, um etwas erfolgreich durchzusetzen." Er empfiehlt den Initiativen vor Ort folgende Strategie: "Wissen teilen, Gemeinsinn stärken, einen Projektbeirat gründen und Ziele konsequent verfolgen." Diese könnten kurzfristig die Einführung von Tempolimits und Nachtfahrverbote für besonders laute Züge, mittelfristig die Umrüstung auf lärmmindernde Techniken und langfristig zum Beispiel der Bau neuer Trassen sein.

Um 70 Prozent zunehmen soll der Güterverkehr auf der Schiene, wenn 2017 der neue Gotthard Basis Tunnel in Betrieb geht. "Und dieser Wahnsinn wird im Rheintal stattfinden", sagte Gunter Lannert von der Initiative BIN gegen Bahnlärm. 200 bis 300 Züge mehr am Tag, das sei für die Bevölkerung nicht mehr erträglich. "Wir fordern eine Modernisierung des Transportwesens, damit auch wir in Erpel abends wieder auf der Terrasse sitzen und uns in normaler Lautstärke unterhalten können."

Viel zu lange sei in Deutschland nicht ausreichend in den Güterverkehr auf der Schiene investiert worden. "Wir haben hier eine Technik aus Kaiser-Zeiten." Nicht nur die Technik lässt nach Ansicht der Experten zu wünschen übrig: "Wir sind in einer dramatischen rechtlichen Situation", so Gross. "Sie haben nämlich kein Recht."

Gemeint ist das Recht auf Schutz vor Lärm. Das Immissionsschutzgesetz habe eher symbolischen Charakter, "Mobilität hat hierzulande Vorrang vor dem Leben." Damit sich endlich etwas ändert, wollen die Initiativen sich weiter vernetzen und gemeinsam vorgehen. "Zusammen sind wir stark", betonten auch Beigeordneter Hallerbach und Ortsbürgermeisterin Cilly Adenauer. "Wenn wir gemeinsam vorgehen, werden sich die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft dem Problem nicht länger verschließen können."

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