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Nach der Heimreise
Anti-deutsche Stimmung? "Gab es nicht"
Von Bernd Eyermann
KÖLN/BONN. Rückkehrer aus Griechenland, Spanien und Italien berichten von ihren Erlebnissen im Urlaub.
Zur Ferienzeit ist Hochsaison am Flughafen. Foto: Ingo Eisner
Im "Spiegel" deutete es Italiens Ministerpräsident Mario Monti gerade an. Es könne sein, dass in seinem Land und in anderen Krisenstaaten Südeuropas eine gefährlich anwachsende Stimmung gegen den Euro und den "Bremser" Deutschland entstehe. Unsere Zeitung hat am Dienstag nachgefragt - am Flughafen Köln/Bonn bei Menschen, die in den vergangenen Wochen in Griechenland, Italien oder Spanien Urlaub gemacht haben. Gab es eine anti-deutsche Stimmung?
"Die habe ich überhaupt nicht gespürt", sagt Juliane Greb aus Gelsenkirchen, die zehn Tage auf der Insel Korfu war. Allerdings, so erzählt die 19-Jährige weiter, habe sie davon gehört, dass es in Athen etwas anders sein soll. Doch Genaueres könne sie dazu auch nicht sagen.
Silvia Theodoridis ist gerade mit dem Flieger aus der griechischen Hauptstadt gekommen und kann nach fünf Jahren in Athen die Stimmung dort ganz gut einschätzen. "Die Griechen verstehen nicht, dass in diesem Jahr viel weniger Deutsche gekommen sind", sagt sie.
Sie seien enttäuscht darüber und hätten den Eindruck, dass die Deutschen nicht unterscheiden würden zwischen der Politik in Griechenland und den Problemen der Bürger. Dabei sei es diesmal viel wichtiger gewesen als in früheren Jahren, auf den Peloponnes, nach Attika, in den Norden oder auf die Inseln in der Ägäis zu kommen. Gerade "das einfache Volk" brauche die Touristen, um den Lebensunterhalt bestreiten zu können. Ihr Appell: "Kommen Sie nach Griechenland. Alle sind dort ganz herzlich und freuen sich auf Deutsche."
Sie selbst, sagt Theodoridis, habe die Familie mit den Kindern (10, 18 und 22 Jahre) in Athen zurückgelassen, um wieder in Deutschland, wo sie herkommt, zu arbeiten. "Wegen der Krise komme ich wieder zurück", sagt die promovierte Pharmaexpertin. An diesem Mittwoch fange sie bei Bayer Leverkusen an. In Griechenland sei es nicht möglich gewesen, adäquate Arbeit zu finden.
Dass die Griechen Deutschen sehr freundlich begegnen, das kann Familie Lückeroth aus dem Bonner Stadtteil Beuel nur bestätigen. "Keiner hat etwas Unfreundliches gesagt. Die waren alle sehr nett", sagt Mutter Luise nach zwölf Tagen auf Korfu.
Der Kölner Robert Sanders und Frank Kosmatsch aus Olpe haben die gleiche Erfahrung gemacht. Fünf- oder sechsmal sei er inzwischen in Griechenland gewesen, sagt Sanders. "Und es war so wie immer." Die Bonnerin Gaby Schütz hat sogar festgestellt, dass ihre griechischen Gastgeber Deutschen gegenüber noch freundlicher als in früheren Jahren waren.
Ein ähnliches Bild bei Spanien- und Italien-Urlaubern. Sie seien zwar schlecht auf ihr Hotel zu sprechen, hätten aber nur gute Erlebnisse mit den Spaniern gehabt, berichten zum Beispiel die beiden Kölnerinnen Janine Uhde und Julia Seidel nach ihrem Rückflug aus Palma de Mallorca.
Bei Nicolo und Anja Cottone aus Solingen sieht die Sache etwas anders aus. Mit der Maschine aus Palermo kommen sie aus einem Sizilien-Urlaub, der zugleich ein Besuch bei der Verwandtschaft war. "Die Euro-Krise war dort zwar immer das Thema Nummer eins", sagt Nicolo Cottone, doch nie in dem Sinne, dass man den Deutschen Vorwürfe machen würde.
Eher im Gegenteil, betont seine Frau Anja, "die Italiener freuen sich darüber, dass es uns so gut geht", dass Deutschland bisher so gut durch die Krise gekommen sei. Die Verwandten lebten in einem kleinen Bergdorf, wo es kaum Arbeit gebe und trotzdem die Lebenshaltungskosten hoch seien. Der Liter Diesel koste etwa 1,85 Euro. "Sie sagen immer, wenn ihr in Deutschland uns alle nicht aus der Krise ziehen könnt, wer soll es denn sonst tun", erklärt Nicolo Cottone.
Artikel vom 08.08.2012
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