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Bad Honnef/Bonn. Erneut mussten die Verfahrensbeteiligten in der Neuauflage des Prozesses gegen die Pflegeeltern der neunjährigen Anna aus Bad Honnef am Donnerstag große Geduld aufbringen: Der zwölfte Verhandlungstag konnte erst mit anderthalbstündiger Verspätung beginnen.
Der Grund diesmal: Die vier vorgesehenen Zeugen waren durch ein Versehen erst für einen Termin im August geladen worden. Drei Zeugen wurden daraufhin telefonisch erreicht und erschienen doch noch vor dem Schwurgericht. Die vierte Zeugin soll an einem anderen Tag gehört werden. Wie schon im ersten, geplatzten Prozess, schilderte ein 34 Jahre alter Bekannter der Familie seinen Eindruck von Anna.
Das Mädchen habe er als "ängstlich und ruhig" erlebt. Dass sich die Neunjährige selbst verletze, habe er nicht mitbekommen. Sie selbst habe ihm gesagt, dass sie sich bemühe, alles richtig zu machen, aber die Pflegemutter brülle sie immer an. Laut des Zeugen hatte die 52-Jährige ihm auch erzählt, dass sie Anna "mal wieder durchbimsen" musste.
Er selbst habe der Angeklagten, die sich zuletzt "täglich" über Anna beschwert habe, mehrfach geraten, sich Hilfe zu holen oder das Kind in ein Heim zu geben. Die Pflegemutter habe "die Hosen angehabt - und die saßen fest". Der Pflegevater wurde von dem Zeugen als "Butler mit Ehering" charakterisiert.
Der Beschuldigte habe versucht, seiner Frau alles recht zu machen, habe aber oft "sein Fett weg gekriegt". Der Prozess soll am Donnerstag fortgesetzt werden - einen Tag vor Annas erstem Todestag. Am Abend des 22. Juli 2010 soll die Pflegemutter das Kind in der Badewanne ertränkt haben. Vorausgegangen waren laut Anklage monatelange Misshandlungen des Mädchens.
Artikel vom 15.07.2011