Altbundespräsident Köhler sprach bei CDU Meckenheim

Meckenheim.  Bei einem Auftritt beim CDU-Neujahrsempfang in Meckenheim hat der Altbundespräsident Horst Köhler eine Lanze für Politiker gebrochen. „Sie machen einen schweren Job“, sagte das ehemalige Staatsoberhaupt, das lange in Meckenheim gelebt hat.
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Ein Apfelbaum als Geschenk: Horst Köhler (von links), Eike Kraft und Gastgeber Wilhelm Ley.
											Foto: Roland Kohls

Ein Apfelbaum als Geschenk: Horst Köhler (von links), Eike Kraft und Gastgeber Wilhelm Ley. Foto: Roland Kohls

Ein trüber Sonntagmorgen in Meckenheim. Wie jedes Jahr hat die CDU zum Neujahrsempfang ins Gartencenter Ley geladen. Doch diesmal gibt es einen besonderen Gast: Horst Köhler, Bundespräsident a.D., ehemaliger Meckenheimer Bürger und seit kurzem wieder Mitglied des CDU-Stadtverbands.

Warten an der Einlasskontrolle. Die Schlange ist lang, rund 400 Gäste werden erwartet. Gabriele Stiebitz ist um eine Sorge ärmer. Wie spricht man einen Bundespräsidenten außer Dienst an? Ganz einfach: "Herr Bundespräsident", erklärt ihr jemand. "Herr Altbundespräsident oder Exbundespräsident würde ja auch nicht nett klingen", meint die Präsidentin des Meckenheimer Prinzenclubs, die mit einer Abordnung der Karnevalsvereine gekommen ist.

Bundespräsident bleibt also Bundespräsident. Und Horst Köhler bleibt Horst Köhler. Kurz nach 11 Uhr bahnt er sich, begleitet von Ehefrau Eva Luise und CDU-Größen aus der Region, seinen Weg durch das Gartencenter, vorbei an Gummistiefeln und Pflanzenliteratur. Lächelnd, winkend, Hände schüttelnd. Eben so, wie man ihn aus seiner Amtszeit von 2004 bis 2010 in Erinnerung hat.

Meckenheims CDU-Chef Eike Kraft bedauert den Rücktritt des "Bürgerpräsidenten" heute noch. Ursache waren umstrittene Äußerungen über den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr. "Ich habe mich damals über die mediale und politische Kritik geärgert", so Kraft. Er mahnt mehr Gelassenheit bei solchen Diskussionen an, fordert "Augenmaß und Deeskalation statt Dramatisierung" - auch eine Anspielung auf die aktuelle Debatte um Köhlers Nachfolger, Christian Wulff.

Dessen Name wird allerdings in keiner Rede erwähnt. In einem Schriftwechsel hatte Kraft Köhler mitgeteilt, dass sein Rückzug in der alten Wahlheimat bedauert werde. Die Familie Köhler lebte von 1977 bis 1994 in Meckenheim, zunächst im Ruhrfeld, später an der Julius-Leber-Straße. 1981 trat Köhler in die CDU ein, inspiriert vom damaligen schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Gerhard Stoltenberg, für den er als Berater im Bundeswirtschaftsministerium tätig war.

Als Bundespräsident ließ Köhler die Parteimitgliedschaft ruhen und reaktivierte sie in Meckenheim, auch wenn er heute in Berlin und Bayern lebt. "Meckenheim hat einen festen Platz in unserem Herzen", sagt der 68-Jährige, der nach dem Empfang mit seiner Frau alte Freunde in der Stadt besuchte. "Unsere Meckenheimer Gang", ergänzt er scherzhaft. Die Besucher klatschen, Köhler lächelt und wird wieder ein bisschen staatstragend.

Er bricht eine Lanze für die Parteidemokratie und die Politiker: "Sie machen einen schweren Job." Er sagt aber auch, dass er als Bundespräsident Wert auf Unabhängigkeit gelegt habe. "Die Parteien haben sich darüber nicht immer gefreut, und dazu gehörte auch die CDU." Es bleibt sein einziger Blick zurück. Lieber würdigt er den anwesenden Bundesumweltminister und CDU-Landeschef Norbert Röttgen als politisches Talent. "Er hat Ehrgeiz und Ideen, er kämpft und hat eine langfristige Linie."

Röttgen gibt einen Ausblick auf 2012 und rückt Europa in den Mittelpunkt. Dieses Jahr sei entscheidend für die Zukunft des Euro und für den europäischen Zusammenhalt. "Nur mit einer gemeinsamen europäischen Politik werden wir uns im Zeitalter der Globalisierung behaupten, Nationalstaaten sind allein bedeutungslos."

Als Röttgen am Ende Köhler und Bürgermeister Bert Spilles für 30-jährige beziehungsweise 25-jährige CDU-Mitgliedschaft ehrt, gehen seine Worte im Trommelwirbel der Karnevalsvereine unter. Kinderprinzessin Katharina I. verteilt Orden, und Präsidentin Stiebitz grüßt Bundespräsident Köhler. Die Kapellen spielen Lied um Lied. "Wenn wir die Trompeten einmal ausgepackt haben", sagt Stiebitz, "wollen wir sie auch nutzen."

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