Jugenddorf-Christophorusschule: Abiturient, Schülervater, Lehrer | GA-Bonn

Jugenddorf-Christophorusschule

Abiturient, Schülervater, Lehrer

KÖNIGSWINTER.  Das CJD wird 20 Jahre alt: Für Florian Striewe ist die Schule in dreifacher Hinsicht sein Leben. Als Max im Sommer 2009 in die fünfte Klasse der Jugenddorf-Christophorusschule kam, saßen bei der Einschulungsfeier in der CJD-Aula seine Eltern. Mit etwas Fantasie hätte man sie selbst noch für Schüler halten können. Vater Florian und Mutter Steffi waren erst 29 Jahre alt. Und zum ersten Mal wurde ein Kind ehemaliger CJD-Schüler am CJD eingeschult.

Erst Schüler, dann Vater eines Schülers, jetzt Lehrer am CJD: Florian Striewe. Foto: Frank Homann

Das zeigt, wie jung die Schule noch ist. In diesem Jahr wird sie 20 Jahre alt. Vor dem Start im Jahr 1992 hatte es in Königswinter einen erbitterten Schulkampf gegeben, weil manche lieber eine Gesamtschule anstelle einer Privatschule gesehen hätten.

Florian und Steffi waren in der zwölften Klasse, als Max im Januar 1999 geboren wurde. Seine Eltern hatten sich am CJD kennengelernt, Steffi besuchte vorher die Petersberg-Realschule, Florian die Realschule in Linz. 1997 war er ans CJD gewechselt. Als es für ihn im Jahr 2000 zum Abitur ging, zog er für drei Wochen aus der gemeinsamen Wohnung aus, um sich in Ruhe vorbereiten zu können. Steffi machte ein Jahr später ihr Abi.

Seit den Sommerferien unterrichtet Florian Striewe selber am CJD. Er ist inzwischen 31 und im Ehrenamt Vorsitzender der Königswinterer Wählerinitiative.

Der Kreis hat sich geschlossen. Dabei war die Heimkehr ans CJD keineswegs geplant. Nach dem Abitur studierte Florian Striewe im Magisterstudiengang Politik und Geschichte, arbeitete in der politischen Bildung, wählte den Quereinstieg ins Lehramt, landete an einer Gesamtschule in Leverkusen und erfuhr schließlich, dass am CJD ein Lehrer gesucht wurde. "Kommen Sie mal ganz schnell vorbei", forderte Schulleiter Johannes Heide seinen ehemaligen Schüler auf.

Wenig später hatte er den Job. Nun unterrichtet er Politik und Geschichte, im Nebenfach Erdkunde. "Im Nachhinein ist man immer schlauer", sagt er. Das CJD sei sehr groß geworden. Heute sind es rund 1 400 Schüler, zu seiner Schülerzeit waren es noch rund 1 000. Er hat 120 Kollegen, von denen jeder seine Dinge habe, die er zusätzlich zum Unterricht zu erledigen habe. Bei ihm ist es die politische Bildung, Fahrten in den Bundestag nach Berlin oder in den Landtag nach Düsseldorf. Zudem müsse jeder Lehrer eine Arbeitsgemeinschaft anbieten.

Die Schüler von heute bedauert Florian Striewe ein wenig. "Ich habe das in meiner Schulzeit nicht so erlebt. Der Druck ist hoch." Und die Anforderungen an das selbstständige Arbeiten. Dem einen Schüler falle es leichter, sich selbst zu organisieren, dem anderen schwerer.

Seine Erfahrung, die er trotz der Hochbegabtenförderung mit eigenem Zweig am CJD jetzt auch als Lehrer macht: "Im Großen und Ganzen ist das eine ganz normale Schule mit einem wunderbaren Angebot", sagt er. Als er seinen Sohn anmeldete, kamen durchaus auch andere Schulen für ihn in Frage.

Als der Filius dann den Platz am CJD bekam, war er dennoch froh. "Wir waren an der Schule willkommen. Das eine oder andere im Leben fügt sich eben." Er selbst hat als Mitglied im Ehemaligenverein und im 2011 gegründeten Alumni-Club stets den Kontakt gehalten. "Ich war nie so richtig weg und habe mich der Schule immer zugehörig gefühlt", sagt er. Natürlich habe das CJD jedes Jahr viele Schüler mit guten Abschlüssen. "Aber die Abinoten waren im vergangenen Jahr in Oberpleis auch super." Seine Schule ist für ihn wie "ein Körper, der lebt und nicht zufrieden mit dem ist, was ist". Das CJD versuche sich immer weiterzuentwickeln.

Als er 2000 Abitur machte, gab es noch kein Kreativhaus, kein Selbstlernzentrum, keine Mensa und keinen 60-Minuten-Unterricht. "Es ist toll,was in einer Stunde möglich ist", sagt er. Florian Striewe fährt nach seinen Wanderjahren jeden Morgen zufrieden in seine Schule. "Ich freue mich auf den Unterricht. Jeder Tag ist neu, jede Klasse ist anders", meint er. "Für mich ist der Lehrerberuf zum Traumberuf geworden."

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