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70 Prozent mehr Einbürgerungen im Rhein-Sieg-Kreis als 1999
Von Ingo Eisner
Die meisten Bewerber kommen aus der Türkei - Neue Gesetzeslage vereinfacht die Verfahren - Deutsch-Kursus ist für jeden Bewerber Pflicht
Siegburg. 95 Menschen wurden gestern im Kreishaus deutsche Staatsbürger. Abteilungsleiter Wolfgang Dick und die Neubürgerbeauftragte Maria Weiler übergaben ihnen die Einbürgerungsurkunden. Bundesdeutsche Personalpapiere erhielten 27 Männer, 24 Frauen sowie 44 Kinder und Jugendliche.
Die meisten, es sind 48, stammen aus der Türkei. Sechs kommen aus Afghanistan, drei aus dem Irak, fünf aus dem Iran, 13 aus Jugoslawien, einer aus Indien, einer aus Italien, zwei aus Kasachstan, zwei aus Kroatien, einer aus Marokko, einer von den Philippinen, drei aus Russland, einer aus Sri Lanka, einer aus Syrien, einer aus der Tschechischen Republik und zwei aus Vietnam. Außerdem erhielten vier bislang Staatenlose das Dokument.
Seit Anfang 2000 das neue Staatsangehörigkeitsrecht in Kraft trat, haben 70 Prozent mehr Ausländer, die im Rhein-Sieg-Kreis leben, einen deutschen Pass beantragt als 1999. "Durch die neue Gesetzeslage ist die Einbürgerung einfacher zu erlangen", sagt Kreisdirektorin Monika Lohr.
Nach den jüngsten Gesetzen hat ein Ausländer Anrecht auf Einbürgerung, wenn er sich mindestens acht Jahre rechtmäßig in Deutschland aufgehalten hat. Vorher waren es 15 Jahre. Die Bewerber müssen sich zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung bekennen und im Besitz einer Aufenthaltserlaubnis oder -berechtigung sein. Außerdem sollten sie nicht in erheblichem Maße vorbestraft sein und ihre Familie ohne staatliche Hilfe ernähren können.
Voraussetzung bleibt, dass der Bewerber seine alte Staatsangehörigkeit aufgibt und einen Sprachtest macht. "Die deutsche Sprache ist für die Integration in unsere Gesellschaft ein wichtiger Bestandteil", sagt Klaus Berger, Leiter des Ordnungsamts der Kreisverwaltung. Trotz Vereinfachung muss ein Bewerber je nach Fall zwei bis 18 Monate auf seine Einbürgerung warten.
Insgesamt 1 151 Menschen beantragten vom 1. Januar bis 30. September 2000 die Einbürgerung. Mit 415 Antragstellern stammt die Mehrzahl aus der Türkei, gefolgt vom Iran mit 167, Jugoslawien (77), Kasachstan (41), Russland (36), Marokko (31), Afghanistan (29), Sri Lanka (27), Vietnam (19), Kroatien (15) und China (13). Zwölf Bewerber kommen jeweils aus Rumänien, aus der Ukraine sowie aus Tunesien, dem Kongo und dem Irak stammen jeweils elf. Von den Philippinen und aus Algerien sind jeweils neun in den Kreis gezogen, aus Mazedonien, Bosnien-Herzegowina, Italien, Belgien und Ungarn jeweils acht Bewerber.
Aus dem Libanon sowie aus Korea, Jordanien, Hongkong und Peru kommen jeweils fünf, aus Portugal und Sierra Leone jeweils vier Antragsteller. Ruanda, Kolumbien, Georgien, Irland, Tschechien und Österreich sind mit jeweils drei Bewerbern vertreten, Lettland, Bulgarien, Ägypten, Angola und Ghana mit jeweils zwei. Aus Brasilien, Albanien, Äthiopien, Tadschikistan, Ecuador, Weißrussland, Zypern, den Niederlanden, der Schweiz, Nigeria, von der Elfenbeinküste, aus Kamerun, Großbritannien, der Slowakei sowie aus Somalia, Kirgisien, Togo und Eritrea kommt jeweils ein Bewerber. Bei 15 Antragstellern war die Staatsangehörigkeit ungeklärt, sieben waren staatenlos. Die Einbürgerung kostet für Erwachsene 500 Mark pro Antrag, Kinder ohne eigenes Einkommen zahlen 100 Mark.
Artikel vom 06.12.2000
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