1784 stand der Rhein im Kreuzgang des Münsters

Hochwasser in Bonn sind bereits seit dem achten Jahrhundert überliefert

Bonn. Hochwasser gibt es in Bonn seit eh und je. Nachgewiesen ist es seit dem achten Jahrhundert. Aus dem 14. Jahrhundert wird von einer gewaltigen Flut berichtet.

Heute sprechen wir schnell von einem Jahrhunderthochwasser. Tatsächlich gab es einmal ein Jahrtausendhochwasser. Das war anno 1784. Im Kreuzgang des Münsters, vor dem nördlichen Treppenzugang, steht die Hochwassermarke dieses Jahres. Die Vorgeschichte dieses Naturereignisses beweist, dass schon damals das Wetter im Rheinland so wechselhaft war wie heute. Nach "gelinder Witterung" hatte plötzlich einsetzender Frost Eisgang und schließlich eine Eisbarriere vor Bonn entstehen lassen.

Der Rhein "stand". Dann setzten am 22. Februar starke Regengüsse ein, und "der Rhein brach los". Während des Aschermittwochgottesdienstes im Münster erfuhren die Bonner, dass das Wasser stieg. Dem Schöffen des Hohen Weltlichen Gerichts, Jakob Müller, verdanken wir eine ausführliche Schilderung, wie er die Frauen, Kinder und Mägde vom ersten Stock seines Hauses aus mit Kähnen wegschaffen lassen musste, während er selbst vom 26. auf den 27. Februar "die fürchterlichste Nacht seines Lebens" verbrachte.

In dieser Nacht wurde die Rheinschiffsmühle von der Gewalt des Wassers auf die Stadtmauer geschleudert und riss die angebauten Häuser in die Fluten. In den "rechtsrheinischen Dörfern", dem heutigen Beuel, wurden 112 Häuser zerstört und viele Menschen ertranken. Plünderer brachen in erhaltene Häuser ein. "Es musste geschossen werden", so der Chronist. 30 300 Reichstaler wurden in Kollekten für die Opfer der Fluten gesammelt.

Große Überschwemmungen gab es auch 1819, 1845 und 1882. Damals traf die Regierung die ersten Maßnahmen zur Hochwasserwarnung, indem die Wasserstände von Koblenz weitergegeben wurden, so dass man wenigstens die Scheitelwelle vorher errechnen konnte. Kaiser Wilhelm II. ordnete die Sprengung von Eisbarrieren an, um Hochwasser zu vermeiden.

Die zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts brachten eine ganze Hochwasserserie. Sie begann 1919, und hier war es die englische Besatzung, die tatkräftig Hilfe leistete und Stege baute. In Beuel stand das Wasser bis zur Josefskirche. Der General-Anzeiger schrieb am 16.1.1920: "Unsere Rheinbrücke und der Alte Zoll werden in den letzten Tagen das Ziel Tausender, die dem schaurig schönen Schauspiel staunend zusehen."

Vom Hochwasser 1926 wird aus Beuel berichtet: "Die Wände der betroffenen Häuser hängen herunter, Fußböden sind aufgerissen, und in den meisten Häusern hat man die Decken stützen müssen. Oft sind die Seitenwände handbreit gerissen, so dass man von der Straße ins Innere sehen kann."

Besonders hart war die Region Bonn vom Hochwasser 1931 betroffen. In Mehlem standen kleinere Häuser bis zur Dachtraufe im Wasser und waren in den Fundamenten unterhöhlt. Die Schäden und die Verluste an lebensnotwendigen Gütern waren besonders schwerwiegend, weil die wirtschaftliche Situation damals sehr schlecht war. Jeder fünfte Einwohner lebte von der "Unterstützung", wie ein Spendenaufruf besagte.

Von einem Jahrhunderthochwasser wurde auch 1993/94 gesprochen, wobei heutzutage die Ursache der häufigen Hochwasser in der Rheinregulierung und dem Wegfall der Rheinauen am Oberlauf gesehen werden.

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