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Neue Kölner "Oper am Dom"
"Tosca"-Premiere in Köln
Von Olaf Weiden
KÖLN. Das nennt man Doppelpremiere: Puccinis "Tosca" eröffnete auch die neue Kölner "Oper am Dom", den ehemaligen "Musical-Dome", im Volksmund auch "blauer Müllsack" genannt. Und eins stand nach dieser behutsam operierenden Premiere fest: Eine bessere Interimslösung wäre nicht denkbar.
Szene mit Tosca (Takesha Meshé Kizart) und Scarpia (Oliver Zwarg). Foto: Uhlig
Die für das Opernpersonal noch unvertraute Halle muss sich bis zur Sommerpause einspielen. Die Vorstellung war natürlich ausverkauft, deshalb musste die Logistik des Hauses von Null auf Hundert durchstarten.
Das meiste funktionierte, es wurde nur in der Pause wirklich eng im Foyerbereich, also gemütlich. Und es dauert länger, bis alle ihren Platz gefunden haben. Da stolperten diesmal einige Gäste noch in absoluter Dunkelheit zu ihren Sesseln, als die Musik zum 2. Akt schon lief. In vorsichtiger Annäherung ans Bühnenpotenzial beließen Regisseur Thilo Reinhardt und Bühnenbildner Paul Zoller die Kirche im Dorf, also auf der Bühne, Palazzo und Engelsburg wurden gestrichen. Die Kirche als Spielort des ersten Aktes mutierte später zum Hauptquartier Scarpias und zur Folterstätte, auf dem Altar tanzte der Teufel Scarpia und richtete sich sein Opfer Tosca an.
Der Mesner blieb durchgängig präsent, er sang bereits beim Einlass im Wechsel mit dem versammelten Volk, das in Kriegszeiten Beistand im Glauben suchte. Dabei eroberten die Weihrauchfahnen auch den Zuschauerraum - und schon saß das Publikum mit im Kirchenschiff, dessen Ruder bald von den italienischen Faschisten und ihrem tückischen Chef Scarpia übernommen werden sollten.
Das Wunder des Abends geschah indes im neuen Graben vor der Bühne, aus dem sich ein Klang aufschwang, dessen Höhenlastigkeit dem Sound des Gürzenich-Orchesters zu fast amerikanisch aufpolierter Brillanz verhalf. Die Instrumente mischen sich in Studioqualität, und da das Orchester und Chefdirigent Markus Stenz nicht zu sehen sind, wirkte die Musik wie eine perfekte Einspielung. Jede Kleinigkeit dringt jetzt aus dem Graben in den Saal, die Präsenz schmeichelt nicht. Und für Stenz, der schon im alten Hause gern kräftig auf die Tube drückte, wächst die Gefahr, Stimmen zu übertönen.
So direkt der Klang des Orchesters, so abhängig sind die Sänger davon, in den Saal zu strahlen. Wer sich wegdreht, singt in die Vorhänge und blendet sich aus. So suchte der Regisseur für seine drei Protagonisten immer die Rampe, was der Musik sehr diente. Den einzigen Szenenapplaus erhielt die Sopranistin Takesha Meshé Kizart in der Titelrolle. Ihre Arie "Vissi d'arte" bildet das zentrale Bekenntnis zur Kunst, für die Cavaradossi in dieser Inszenierung sogar im Rhythmus der Musik ans Kreuz genagelt wird.
Der Rumäne Calin Bratescu sang die beiden Opernhits aus "Tosca" sehr breit und wichtig, da konnte Stenz das Orchester im Tempo nicht bezähmen. Am 31. Mai versucht sich José Cura an der Cavaradossi-Partie zum "Fest der schönen Stimmen".
Scarpia, den Regisseur des Bösen, verkörperte der kernige Bassbariton Oliver Zwarg, der bereits als Alberich in Köln erfolgreich und auch in Tosca die beherrschende Spielfigur war. Die Chöre sangen das herrliche "Te Deum" aus dem Off mit einer Lautstärke, dass sich selbst die Taxifahrer auf dem nebenliegenden Busbahnhof bekreuzigten.
Überhaupt steht diese Oper mit leise rauschender Klimaanlage und dezent wahrnehmbaren Polizeisirenen mitten, aber nicht störend im Leben. Die Inszenierung hatte Niveau, das Haus selbst gefiel noch besser.
Nächste Termine: 19., 25., 27., 31. Mai, jeweils 19.30 Uhr. Karten: unter anderem in den Bonnticket-Shops der GA-Zweigstellen und bei bonnticket.de.
Artikel vom 19.05.2012
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