Restaurantführer 2012
Von Bernhard Hartmann
'Es fehlt nach wie vor eine echte Begeisterung in der Bevölkerung', bedauert Timotheus Höttges mit Blick auf das Projekt Festspielhaus. Foto: dpa
Die Telekom-Stiftung mit einem Stiftungskapital von 150 Millionen Euro ist eine der größten Stiftungen in Deutschland. Im Gespräch mit unserer Redaktion spricht Timotheus Höttges über Bonn, Beethoven und Sponsoring.
Wie finden Sie denn das kulturelle Angebot der Stadt?
Höttges: Bonn ist eine absolut lebenswerte Stadt, sie ist international, hat auf kulturellem Gebiet viel zu bieten, aber wir verlieren etwas an Schwung. Ich war immer ein begeisterter Besucher der Konzerte auf dem Museumsplatz. Leider gibt es die nicht mehr. Auch die Rheinkultur, die ebenfalls eingestellt wird, ist ein überregionales Ereignis gewesen.
Ein absolutes Highlight ist natürlich das Beethovenfest, das dank Frau Schmiel wieder internationales Format gewonnen hat. Zudem verfügt Bonn mit den Museen über ein Angebot, das im Vergleich zu anderen Städten dieser Größe weit überdurchschnittlich ist.
Würde sich die Attraktivität durch ein Festspielhaus erhöhen?
Höttges: Für unsere Mitarbeiter ist zunächst die Infrastruktur in Bonn entscheidend, zum Beispiel Kindergärten und Schulen. Auch Themen wie Sicherheit und Verkehrsanbindung spielen eine wichtige Rolle. Erst danach kommt das Thema Freizeitangebot, wozu auch die Kultur zählt. Eine direkte Beziehung zwischen einem neuen Festspielhaus und der Standortattraktivität für unsere Mitarbeiter sehe ich nicht.
Gibt es eine Philosophie, nach der die Telekom Kultur fördert?
Höttges: Es ist uns ein Herzensanliegen, junge Menschen zu fördern. Wir sind mit 10 000 Azubis der größte Ausbildungsbetrieb in Deutschland. Die Telekom-Stiftung, mit einem Stiftungskapital von 150 Millionen Euro eine der größten Stiftungen in Deutschland, fördert vor allem die sogenannten MINT-Fächer, setzt also mathematisch-naturwissenschaftliche Schwerpunkte - von der Primarstufe bis zur Hochbegabten-Förderung.
Und wir engagieren uns bei "Ein Herz für Kinder". Auch am Standort Bonn stehen für uns junge Menschen im Fokus: Wir investieren jährlich mehr als fünf Millionen Euro: Von den Telekom Baskets über die Beethoven Competition bis zu den Veranstaltungen im Telekom-Forum. Außerdem arbeiten wir gerade an einem neuen Konzept mit der Stadt, wie man in Bonn junge Menschen zusätzlich fördern kann.
Sind Sie mit der Entwicklung der Beethoven Competition zufrieden?
Höttges: Wir sind sehr stolz darauf, dass wir so einen renommierten, internationalen Klavierwettbewerb auf den Weg gebracht haben, den man heute in einem Atemzug mit dem Chopin-Wettbewerb in Warschau und anderen bedeutenden Wettbewerben nennt. Ich wünsche mir, dass wir die Veranstaltung noch überregionaler verankern können. Die Beethoven Competition ist für das Publikum eine fantastische Möglichkeit, Musik einmal anders zu erleben.
Wann haben Sie schon einmal das dritte, vierte und fünfte Klavierkonzert von Beethoven hintereinander an einem Abend gehört? Man sieht die Facetten, die unterschiedlichen Temperamente und Herangehensweisen der einzelnen Interpreten. Ich war an dem Finalabend der Competition sowohl von der Genialität Beethovens als auch von den Finalisten begeistert.
Wäre es für die öffentliche Wirkung eines Unternehmens nicht effektiver, auf bekannte Namen zu setzen?Höttges: Es gibt in allen Metropolregionen große Sponsoren, die große Stars auf große Bühnen bringen. Dafür wird aber auch großes Geld ausgegeben. Die Musik braucht Idole für junge Menschen. Das sind die Orientierungspunkte.
Aber: Alle Superstars haben auch mal klein angefangen. Hier setzen wir an und wollen jungen Menschen die Chance geben, sich zu bewähren Wir finden es viel attraktiver, in Bonn die zukünftigen Lang Langs zu sehen und ihnen die Möglichkeit zu geben, vor ausverkauftem Haus mit dem Beethoven-Orchester aufzutreten.
Halten Sie den Kontakt zu den Siegern früherer Jahrgänge?
Höttges: Hinrich Alpers, der Gewinner von 2009, scheibt mir von seinen Auftritten überall auf der Welt, wie er lebt, was er erlebt und wie dankbar er für die Chance ist, die er durch den Sieg bei der Competition erhalten hat. Nähe ist uns wichtig. Die Menschen sollen an unserem Markenversprechen "Erleben, was verbindet" teilhaben.
Nicht nur in der Klassik, sondern auch bei der populären Musik, etwa den Street Gigs, bei denen wir Musiker gerade nicht auf die großen Bühnen bringen, sondern zum Beispiel in der Einkaufspassage auftreten lassen. Das vermittelt gerade für junge Menschen ein ganz anderes Lebensgefühl.
Muss eine Sponsorleistung immer einen Gegenwert für das Unternehmen haben?
Höttges: Egal, was wir tun, und egal, welche Mittel die Deutsche Telekom einsetzt, wir müssen uns immer vor den Eigentümern dieses Unternehmens rechtfertigen und die Ausgaben sehr gut begründen können. Wir sind gehalten deutlich zu machen, dass die Kulturförderung einen Mehrwert für unsere Marke liefert. Und dass wir durch das Fördern eine echte Gegenleistung erwarten.
Gibt es Vorstellungen darüber, wie die Telekom in einem zukünftigen Kulturkonzept der Stadt eingebunden sein kann?
Höttges: Wir sind nicht die Experten, die sagen können, wie ein zukünftiges Kulturprogramm in Bonn aussehen sollte. Da haben wir Spezialisten wie Frau Schmiel oder Herrn Weise, die das sehr viel besser können als wir. Aber wir sind in einem regen Dialog mit der Stadt. Ich denke, dass sich die Stadt die heute übliche Subventionierung der Kultur auf Dauer nicht leisten können wird.
Man muss also nach alternativen Finanzierungsformen Ausschau halten oder Dinge streichen. Wir können am runden Tisch unser Marketing-Knowhow einbringen. Aber wir sitzen dort nicht, um ein Programm zu diktieren. Das müssen die Bonner Verantwortlichen selbst entwickeln. Wir können sie unterstützen, wenn es darum geht, Rahmenbedingungen zu schaffen, oder bei der Finanzierung von bestimmten Aktivitäten helfen.
Wie sieht das etwa beim Beethovenfest aus? Auch in die Zukunft gedacht?
Höttges: Sicherlich ist das Beethovenfest, egal ob mit oder ohne neues Festspielhaus, ein Format, das die Telekom weiter unterstützen wird. Wir können uns vorstellen, wieder als Hauptsponsor dabei zu sein, vorausgesetzt die Gegenleistung stimmt.
Auch hier standen in den vergangenen Jahren übrigens Kinder und junge Menschen im Mittelpunkt unseres Engagements: Sei es über die Kinderopern in unserer Zentrale oder die Konzerte im Telekom Forum, wo es darum geht, ungewöhnliche und spannende Formate zu finden - wie es in diesem Jahr mit Goran Bregovic perfekt gelungen ist.
Wie stehen Sie dem Projekt Festspielhaus weiterhin gegenüber?
Höttges: Ich finde die Idee eines neuen Festspielhauses durchaus faszinierend. Ich finde es auch richtig, die Bürgerschaft einzubeziehen. Ich sehe aber auch, dass so ein Projekt sehr kostspielig ist. Der Rat wird sich gut überlegt haben, wie er so ein Haus finanziert bekommt. Und es fehlt nach wie vor eine echte Begeisterung für das Projekt in der Bevölkerung.
Wir als Telekom wollen nicht in Steinen denken, sondern darauf achten, dass Beethoven Präsenz hat. Wir wollen Beethoven hören, egal wo. Wir setzen also auf Inhalte.
Wenn Festspielhaus Wirklichkeit würde, halten Sie dann das Modell der Betreiberstiftung zur Finanzierung von Programm und Bauunterhaltung für gut?
Höttges: Vom Prinzip her halte ich das für ein gute Idee, weil nur so eine nachhaltige Finanzierung von Beginn an gesichert ist. Die inhaltliche Gestaltung obliegt dann ja der Intendanz. Auf jeden Fall brauchen wir eine Institution, die sich sehr frühzeitig mit der Planung für die Feierlichkeiten zum 250. Geburtstag von Beethoven im Jahr 2020 beschäftigt.
Artikel vom 24.12.2011
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