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Meister der Maskerade
Theaterensemble Mummenschanz in der Bonner Oper
Von Hagen Haas
Bonn. Vorab: Nichts gegen ein lebhaftes, jugendliches Publikum, das mitgeht. Das laut lacht und nicht bloß in sich hinein. Dessen Erstaunen und Aufregung zu hören sind. Für den Künstler auf der Bühne ist so ein Echo in aller Regel Lebenselixier.
Und dass es eine notwendige und auch erfüllende Aufgabe ist, Kindern Kultur nahezubringen, muss an dieser Stelle nicht betont werden. Beim ersten Gastspiel des legendären Schweizer Theaterensembles Mummenschanz in der Bonner Oper war allerdings zu erleben, in welches Extrem das Ganze zu kippen vermag.
Es kann einfach nicht sein, dass permanent dazwischengerufen wird, dass fröhliches Lachen mit gekünsteltem, nicht enden wollendem Dauergekreische verwechselt wird. Und es kann auch nicht sein, dass der Applaus zwischen den Nummern von vielen sehr jungen Besuchern absichtlich wieder und wieder gestreckt wird, was den Übergang zur nächsten Nummer erheblich stört. Es gibt bei allem Übermut und aller Spontanität auch ein paar wenige Regeln im Theater. Die sollten eingehalten werden. Und da sollten Eltern wie Lehrer nicht nur vorleben, sondern auch einmal, wenn nötig, Grenzen setzen. Ja, tatsächlich.
Das Beste aus 40 Jahren Mummenschanz in 30 Nummern: Eine surrealistische Revue voller Metamorphosen, die verblüffen, irritieren, erstaunen, Spaß bereiten. Die aber auch nachdenklich machen und Momente der Stille liefern und erfordern, siehe oben. Floriana Frassetto, Raffaella Mattioli, Pietro Montandon und Philipp Egli sind wahre Meister der Verwandlung, der Tarnung, der Maskerade.
Sie treiben ein raffiniertes und sympathisches Vexierspiel, ganz ohne Worte und ohne Musik. Von der Eröffnung der riesigen weißen Hände über die gelbe Raupe mit ihrem roten Gummiball, der zum XXL-Pingpong mit dem Publikum führt und entfesselte Tentakelwesen bis zur zerteilten Ballerina, die zur Schwimmerin mutiert.
Großartig, dass solche handgemachten, akrobatischen Wunderwelten in unserer digitalen Gesellschaft noch ihren Zauber entfalten. Zumindest bei dem, der sein Smartphone beiseite legen kann.
Artikel vom 02.07.2012
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