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Sonntagkonzert des Beethoven Orchesters
Selten aufgeführte Werke von Gustav Mahler in der Beethovenhalle
Von Bernhard Hartmann
BONN. Bonns Generalmusikdirektor Stefan Blunier entschied sich beim sehr gut besuchten Sonntagkonzert in der Beethovenhalle für eine späte Variante der Märchenkantate "Das klagende Lied".
'O Leide, weh! O Leide': Manuela Uhl (links) und Lioba Braun singen 'Das klagende Lied', Stefan Blunier dirigiert. Foto: Thilo Beu
Ganze 117 Jahre musste Gustav Mahlers Märchenkantate "Das klagende Lied" bis zur Uraufführung warten. Dann erklang sie am 7. Oktober 1997 erstmals in der Bridgewater Hall Manchester, es spielte das Hallé-Orchesters, die Leitung hatte Kent Nagano. Nie zuvor war das Werk in der abendfüllenden, gut 70-minütigen Originalgestalt, wie der Komponist sie als 17-jähriges Junggenie für gut befunden hatte, erklungen.
Das hatte verschiedene Gründe. Einer war die Besetzung: ein riesiges Orchester inklusive sechs Harfen und Fernorchester wollte der aufstrebende Komponist für sein Opus 1 aufmarschieren lassen; Chor, Knabenchor, sechs Gesangssolisten noch dazu. An eine Aufführung war gar nicht zu denken.
Bonns Generalmusikdirektor Stefan Blunier entschied sich hingegen beim sehr gut besuchten Sonntagkonzert in der Beethovenhalle für eine spätere Variante, die Mahler selbst für die erste Aufführung 1901 eingerichtet hatte. Seinen radikalen Strichen war unter anderem das eröffnende halbstündige "Waldmärchen" zum Opfer gefallen. Auch hatte Mahler den Knabenchor entlassen sowie drei der Solisten und vier der sechs Harfen.
Natürlich ist es ein bisschen bedauerlich, das "Waldmärchen" außen vor zu lassen. Denn hier beginnt recht eigentlich die von Mahler selbst in Verse gegossene Märchenerzählung nach Ludwig Bechstein. Klar, man kann die Episode des tödlichen Bruderzwists als Vorgeschichte deuten. Und man kann auch eine packende, durchaus geschlossene Aufführung dieses Torsos hinbekommen, wie Blunier zeigte.
Die beiden Episoden "Der Spielmann" und "Hochzeitsstück" sind wunderbar erfundene Musik, verständlich, dass Mahler über so viele Jahr hinweg sich um eine Aufführung bemühte. Das Beethoven Orchester spielte sie mit echter Hingabe, zeigte, dass tatsächlich schon ganz viel von dem späteren Sinfoniker in dieser Musik steckt. Der Wechsel von Dur und Moll, von klanglichem Detail und Totale, die tiefe Melancholie der getragenen Vokallinien, die volkstümlichen Melodien, all das findet sich auch später wieder. Ebenso die dunkel gefärbten Holzbläserstimmen.
Manuela Uhl (Sopran), Lioba Braun (Alt) und Werner Güra (Tenor) sangen ihre Partien mit viel Emotionen, sprich: mit Trauerflor. Auch der von Petr Fiala einstudierte Tschechische Philharmonische Chor aus Brünn überwältigte mit einer großartigen Leistung. Besonderen Effekt machte freilich auch der Einsatz des von Bonns Opernkapellmeister Robin Engelen dirigierten Fernorchesters, das aus dem Seitenfoyer aus in den großen Saal tönte.
Statt mit dem "Waldmärchen" hatte Blunier den Abend mit zwei sinfonischen Einzelsätzen begonnen, die gleichsam den Anfang und das Ende des Sinfonikers Mahler markieren. Das "Blumine" überschriebene Andante, das ursprünglich einmal als zweiter Satz der ersten Sinfonie komponiert worden war, dann aber vom Komponisten verworfen wurde, hob mit einem wunderbaren, von Gregor Leczkowski mit viel Seele geblasenen Trompetensolo an, das den gesamten Orchesterklang zu inspirieren schien.
Danach folgte das Adagio aus der unvollendet geblieben zehnten Sinfonie, dessen klangliche und harmonische Unbestimmtheit Blunier packend zu gestalten wusste. Das gilt für das rätselhafte Unisono der Bratschen ebenso wie für die extreme Klangballung des Tutti. Eine Aufnahme des Konzertabends, für den es sehr viel Applaus gab, soll im Herbst übrigens als CD erscheinen.
Artikel vom 15.05.2012
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