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Satter Premieren-Applaus für "Der kleine Prinz" in Bonn
Von Dietmar Kanthak
Hans Schernthaner bringt Saint-Exupérys Klassiker im Jungen Theater auf die Bühne
Bonn. Es gibt intelligentes Leben da draußen. Der kleine Prinz, der seinen kleinen Asteroiden verlässt, das Universum bereist, auf der Erde landet und schließlich auf der Bühne des Jungen Theaters in Beuel - dieser kleine Prinz ist ein Skeptiker, ein wendiger Denker und ein praktischer Philosoph.
In Hans Schernthaners Adaption der Erzählung von Antoine de Saint-Exupéry spielt Matthias Beckonert den Prinzen als wissensbegierig und wissend zugleich. Ihm kann so leicht keiner etwas vormachen.
Er durchschaut die Rose, die eitel und kapriziös ist. Er erkennt die materialistische Seite des pragmatischen, rationalen Königs. Er deckt die Absurdität des Säufers auf, der sich schämt, weil er trinkt, und der trinkt, weil er sich schämt. Unsinnige Prinzipien, aberwitzige Weisungen reduziert der Besucher aus dem All auf ihren banalen Kern.
Auch für den kleinen Prinzen gilt: Reisen bildet. Zum Beispiel lernt er, dass Zuneigung auch Verantwortung und Fürsorge erfordert. Seine geliebte Rose, sagt ihm der schlaue Fuchs, muss er pflegen, mit Wasser versorgen.
Doch seine Begegnungen und Erkenntnisse machen ihn auf der Bühne des Jungen Theaters nicht wirklich glücklich, eine heitere Melancholie liegt über dem kleinen Prinzen, ja über der ganzen szenischen Darstellung der berühmten Erzählung Saint-Exuperys.
Die Stimmung ist gespiegelt in den wiederkehrenden musikalischen Motiven Yann Tiersens, der mit seinen Kompositionen für den "Amelié"-Film berühmt wurde. Am Ende kehrt der Besucher aus dem All nach Hause zurück. Erst dort wird er wohl ganz bei sich (und seiner Rose) sein. Welcher Außerirdische will schon immer unter Menschen leben? E.T. lässt grüßen.
Mit einer Projektion (Daniel Winter), einem Höllenlärm und viel Bühnennebel hebt das Geschehen auf Stefan A. Schulz' Bühne an. Sie ist dominiert von einem verunglückten Flugzeug. Dessen Pilot (Steffen Lehmann) ist abgestürzt und kann froh sein, dass er auf den kleinen Prinzen trifft; er wird sein Leben verändern.
Hans Schernthaner inszeniert Saint-Exupérys Prosa-Klassiker als flotten Bilderbogen, er übersetzt die Themen und die an Gefühl und Intuition appellierende Sentenz "Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar" in bewegte und bewegende Bilder.
Sie enthalten Botschaften, die der Zuschauer für sich selbst entschlüsseln muss, im Stück wie in der Inszenierung ist Fantasie gefragt. Schön aber auch, dass Matthias Beckonerts Prinz ein so kluger Kopf ist. Der Verstand hat in seinem Universum einen Platz in der ersten Reihe.
Steffen Lehmann und Inka Lioba Bretschneider schlüpfen mit präziser Körpersprache in zahlreiche Rollen, vom Flieger bis zur Schlangenfrau. Sie haben, ebenso wie Ausstatterin Brigitte Winter, großen Anteil am Erfolg der wie im Fluge vergehenden Aufführung.
Matthias Beckonerts Prinz konnte sich zum Schluss über satten Premieren-Applaus freuen. Und über die Rose (!), die ihm Theaterchef Moritz Seibert überreichte.
Die nächsten Aufführungen: 17., 18. und 19. Januar. Karten unter (02 28) 46 36 72.
Weitere Informationen unter www.jt-bonn.de
Artikel vom 12.01.2009
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