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Rainer Pause serviert "Das letzte Gericht" im Pantheon
Von Hagen Haas
Warten auf die Urne. Jupp hat das Zeitliche gesegnet, Fritz ist sein Nachlassverwalter. Das Publikum stellt gewissermaßen die Trauergemeinde dar, das Pantheon fungiert folglich als Trauerhalle. Fritz Litzmann hat umgesattelt. Er kümmert sich nicht nur um das Begräbnis des verblichenen Jupp, er ist nun selbst Bestatter geworden
Es geht um Leben und Tod: Rainer Pause. Foto: Pantheon
Bonn. Warten auf die Urne. Jupp hat das Zeitliche gesegnet, Fritz ist sein Nachlassverwalter. Das Publikum stellt gewissermaßen die Trauergemeinde dar, das Pantheon fungiert folglich als Trauerhalle. Fritz Litzmann hat umgesattelt. Er kümmert sich nicht nur um das Begräbnis des verblichenen Jupp, er ist nun selbst Bestatter geworden.
Ein bekanntlich todsicheres Geschäft, gestorben wird schließlich immer, und abgerechnet wird am Schluss. Jupp hat sich übrigens für eine Feuerbestattung entschieden, noch zu Lebzeiten natürlich, und ein Krematorium auf Kölner Boden schied für ihn definitiv aus: "Die wollen nur Asche machen." Außerdem müsse man dort auf einen Termin warten, bis man schwarz geworden sei. Apropos Warten.
Neulich, berichtet Fritz Litzmann, musste die Trauergemeinde eineinhalb Stunden in der Leichenhalle ausharren, bis die Zeremonie begann: "Ihr könnt euch vorstellen, was die für 'ne Laune hatten." Litzmann legt die Stirn in Falten. Fritz Litzmann ist das Bühnen-Alter Ego des Bonner Kabarettisten und Pantheon-Geschäftsführers Rainer Pause, und "Das letzte Gericht" ist Pauses "erstes Solofinale". Es ist grandios.
Es geht um Leben und Tod. Und noch um einiges mehr. Wie aus einem Guss gleitet Pause mit seiner liebenswürdig-tapsigen, unbedarften Bühnenfigur zwischen lilienumflortem schwarzem Humor, makabren Drahtseilakten und harter Sozial- und Politsatire hin und her. Litzmann hat keine übergroßen Berührungsängste.
Das Thema "Selbstmorde auf Bahngleisen", heikel und für viele Kabarettisten und Komiker eine veritable Stolperfalle, klopft er dabei ganz souverän und mit geradezu selbstverständlicher Unbekümmertheit ab. Britischer Humor blitzt auch bei der "gepressten Fauna" auf, einem längeren Exkurs über auf Autobahnen platt gefahrene Exemplare der heimischen Tierwelt.
Litzmann alias Pause jongliert atemberaubend (gut). Er beklagt die "schlechte Stimmung" bei US-amerikanischen Hinrichtungen und plädiert für einen Entwicklungshilfeansatz bei Organspenden nach Afrika: "Die Neger wissen ein weißes Herz zu schätzen. Früher haben sie das sogar gegessen." Leichenschmaus. Untote. Die menschliche Urangst, lebendig begraben zu werden. Litzmann komponiert das ganz große Requiem.
Am Ende gewährt er Einblicke in seine eigene testamentarische Verfügung: "Ich möchte dereinst in einer schönen, friedlichen Parklandschaft liegen." Pläne für eine Art schwarzromantisches Disneyland mit allerlei morbiden Gimmicks hat er dafür schon ausarbeiten lassen. Inklusive Transplantationsklinik. Geschäftstüchtig ist und bleibt er ja doch, der gute Fritz. Der Tod steht ihm gut.
Artikel vom 04.11.2010
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