Das GA-Torfieber grassiert wieder
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Horn und Tenor - diese ungewöhnliche Paarung steht, grundiert vom Klang eines Streicherensembles, im Mittelpunkt von Benjamin Brittens Serenade op.31. Den Tenor lässt Britten Lyrik vom Spätmittelalter bis zur Spätromantik singen, während das Horn ein beredter Begleiter ist. In der Beethovenhalle, im ersten Konzert der Reihe "Serenade um 11", waren diese Partien mit Marie-Luise Neunecker (Horn) und dem englischen Sänger Benjam Hulett ausgezeichnet besetzt.
Hulett wusste seine schlanke, sicher geführte Stimme facettenreich abzutönen. Immer wieder betörte er mit wunderbarem mezza-voce-Gesang, zum Beispiel im geheimnisvoll tönenden "Dirge", das von Verdammnis, Fegefeuer und Erlösung durch Christus erzählt. Fein gemeißelte Koloraturen gelangen ihm in "Hymn", in dem die Jagdgöttin Diana gepriesen wird.
Ähnlich sprudelndes Laufwerk schreibt Britten auch dem Horn in die Noten - und dank Neuneckers makellosen Spiels klang es wie das Lachen von Elfen. Hingerissen war man auch von der Tonschönheit ihres Spiels und der Fähigkeit, den Klang in feinsten Stufen zu modulieren. Partner auf Augenhöhe war das feinnervig musizierende Beethoven-Orchester, das unter Leitung des britischen Dirigenten Christopher Hogwood dem poetischen Zauber der brittenschen Klangwelten zu eindringlicher Wirkung verhalf.
Unter dem leicht ironischen Titel "Unterwegs mit der Postkutsche" widmete sich das Konzert dem musikalischen Typus der Serenade. Galt Britten das Horn als Symbol für die Sehnsucht nach Idylle, so spielt dasselbe Instrument in Mozarts "Posthorn-Serenade" noch die Rolle des Signals, das zum Aufbruch mahnt. Trotzdem ist das 1779 entstandene, siebenteilige Werk mehr als gefällige Genremusik. Das eröffnende Adagio nebst Allegro bietet dem Hörer einen veritablen Sinfoniesatz, im ersten Menuett drängen sich plötzliche Moll-Einbrüche in die heitere Stimmung.
Das Beethovenorchester zeigte unter Christopher Hogwoods Leitung agiles, aber auch ebenso klangschönes und flexibles Spiel. Jedes Detail wurde ausmusiziert, ohne dass die große Linie verloren ging. Wunderbar tiefgründig gelang auch das schwermütige Andantino. Dritte Serenade des Konzerts: Max Regers op.141a für Flöte, Violine und Viola. Ein leichtgewichtiges Stück, aber nicht leicht zu spielen.
Mariska van der Sande, Maria Geißler und Anna Krimm, alle drei aus den Reihen des Beethovenorchesters, machten ihre Sache schlicht großartig. Das Thema "Serenade" zieht sich auch durch die weiteren drei Konzerte (alle mit Christopher Hogwood) dieses vielversprechenden Zyklus.
Artikel vom 29.11.2011