Ohne Berührungsängste in die dritte Runde

BONN.  Das Bonner Jazzfest ist ein Phänomen: In Zeiten, da in Bonn das Aus von Museumsplatzkonzerten und Rheinkultur beklagt wird, hat sich das Festival innerhalb kürzester Zeit zu einer viel beachteten Marke etabliert. Im Mai 2012 präsentiert Festival-Initiator und -leiter Peter Materna die dritte Auflage seines Erfolgprojektes.

Ein Star für Bonn: Tomasz Stanko spielt am 18. Mai im Haus der Geschichte. Foto: pa/dpa

Vielleicht ist es die besondere Mischung aus modernem Jazz und populären Richtungen, die das Publikum fasziniert. Materna, selbst Saxofonist, kennt wenig Berührungsängste. Nicht einmal mit dem Eurovision Song Contest, dessen Zweitplatzierten des vergangenen Jahres, den Italiener Raphael Gualazzi, er zum Auftaktkonzert am 11. Mai ins Telekom Forum holt. Begleitet wird er von der WDR Big Band. "Das Programm ist ziemlich exklusiv", sagt Peter Materna. "Nach Bonn wird es nur noch beim Klavierfestival Ruhr zu erleben sein."

Eher junge Leute will Materna mit dem zweiten Konzert des Eröffnungsabends begeistern, wenn der Gitarrist Andreas Dombert "Dombert's Urban Jazz" vorstellt. Er kommt mit drei Jazzern und dem auf dem Computer improvisierenden "Dorsch". "Auf dessen Soundlandschaften bin ich schon extrem gespannt", sagt Materna.

Spielstätte des zweiten Festivaltages ist das Forum der Bundeskunsthalle. Hier will die amerikanische Sängerin Stacey Kent das Festival-Publikum mit ihrer Stimme betören. Ihr folgt der Pianist Hubert Nuss auf die Bühne, der mit Ingmar Heller (Bass) und Fabian Arends (Schlagzeug) antreten wird.

Mit Flöten vom dreieinhalb Meter langen Subkontrabass-"Ofenrohr" bis zur Piccoloflöte lässt Heupel keine Frequenz des möglichen Flötenklangspektrums aus. Auf seiner Klangreise begleitet ihn der der Gitarrist Uwe Kropinski. Wilder und jugendlicher kommen der Saxofonist Lutz Streun, der Posaunist Tilmann Schneider und der Schlagzeuger Sebastian Winne daher, deren Musik eine Art Schmelztiegel aus Beats und Vibes ist. Das Trio, das sich Three Falls nennt, mischt in seinen Auftritten auf sehr kreative und mitreißende Weise Elemente aus Hip Hop, Reggae und Funk.

Im Collegium Leoninum, das ebenfalls zu den bereits etablierten Spielstätten des Festivals zählt, ist am 16. Mai der Pianist Joachim Kühn zu hören. Poetische, zum Teil auch melancholische Klänge bringt auch die Sängerin Kathrin Scheer ins Spiel. Sie kommt in klassischer Jazz-Trio-Begleitung.

Im Posttower sind am 17. Mai die Pianistin Lynne Ariale mit ihrem Quartett sowie das Ensemble Sepiasonic um den Klarinettisten Claudio Puntin zu hören.

Dass der Trompeter Tomasz Stanko am 18. Mai den im Haus der Geschichte stattfindenden Doppelabend eröffnet, erfüllt Peter Materna ein bisschen mit Stolz, weil er das genialische Spiel dieses Virtuosen schon seit langem sehr bewundert. Stanko wird in Bonn von einer klassischen Jazz-Trio-Formation begleitet. Die Pianistin Olivia Trummer schließt den Abend mit ihrem Trio ab.

Das Jazzfest endet am 19. Mai mit einem großen Finale in der Bundeskunsthalle. Nach einem eher ruhigen Beginn mit dem Norma Winston Trio wird es anschließend ziemlich wild. "Die räumen gerade unglaublich ab", schwärmt Materna über die Jazz Big Band Graz, die das Finale sozusagen rocken soll. Man spielt in großer Besetzung.

 

Bonner Jazzfest, 11. bis 19. Mai 2012, Informationen im Internet: www.jazzfest-bonn.de. Karten ab sofort in den GA-Zweigstellen und bei bonnticket.de

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