Nix wie weg aus Altenessen | GA-Bonn

Nix wie weg aus Altenessen

Herbert Knebel und sein Affentheater in der Bonner Oper
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 Foto: dpa

Bonn. "Früher war alles besser": Glauben wir sofort, wenn Herbert Knebel und sein "Affentheater" mit Ozzy Ostermann (Gitarre), Ernst Pichel (Bass) und dem "Trainer" (Schlagzeug) samt Nordic-Walking-Stöcken auf die Bühne der Bonner Oper humpeln.

Trainingsjacken, Hosen und Hemden erinnern an längst vergangene Tage, und das kollektive Stöhnen der Herren rundet das Ganze harmonisch ab. "Nix wie weg": So heißt das neue Programm der nörgelnden Rentnerband um Ruhrpott-Kultfigur Herbert Knebel alias Uwe Lyko, die jetzt erstmals den Sprung vom Beueler Brückenforum auf die andere Rheinseite gewagt hat und am Samstag bei "Quatsch keine Oper", der gemeinsamen Reihe von Pantheon und Theater Bonn, zu Gast war.

Nix wie wech. Aber wohin ? Der Mond bietet "diesbezüchlich" keine echte Alternative, denn da wohnt niemand, und auch Trinkhallen sucht man daher vergebens. Dafür gibt es eine Neuauflage von Bowies "Major Tom" in Altenessener Tonart.

Bevor also die Polkappen nicht endgültig abgeschmolzen und Holland - Fußballfeindbild Nummer 1 - nicht endlich und ein für allemal hinfortgespült wurde, werden Knebel und seine Freunde dem Ruhrgebiet wohl kaum den Rücken kehren.

So gesehen ist "Nix wie weg" auch eher symbolisch gemeint und der rote Faden im Programm des "Affentheaters", das damit zum ersten Mal einen ganzen Abend über hart am Ball - sprich direkt am Thema - bleibt. Angesichts von Pleitewellen, Globalisierungswahn und schlechtem Essen muss sich der Mensch heutzutage auf neue Werte besinnen.

Selbst wenn es bloß das Cholesterin ist, dem die vier eine hinreißende Coverversion von John Cales "Cocaine" gewidmet haben. Wobei keiner so schön die Hüften kreisen lassen kann wie Ozzy und Knebel sich zuweilen bewegt, als hätte er mal eben kurz in die Steckdose gepackt.

Das würde sich seine Guste daheim mitunter mal wünschen. Nix als heiße Luft, beschwert sie sich bei ihren Freundinnen. Aber allein bei dem Gedanken, dass Herbert, Erich und der Trainer noch mal aufs Spielfeld müssten, um Deutschland wieder aufzurichten, können selbst die vier auf der Bühne nicht mehr ernst bleiben.

So versuchen sie ihr Glück zu guter Letzt mit der Flaschenpost. Aus "Message in the Bottle" von Police machen sie ganz zeitgemäß "Ich schick `ne SMS in die Welt". Und dann nix wie weg damit.

Alles in allem und von Anfang bis Ende ein liebenswert-schräges Vergnügen. Schade nur, dass zweieinhalb Stunden "Affentheater" so schnell vergehen. Sollte das Quartett also noch einmal in Bonn die Runde machen, dann heißt es: "Nix wie hin!"

Für die drei nächsten Abende von "Quatsch keine" Oper mit 6-Zylinder (29. Oktober), Sissi Perlinger (10. November) und Hans Liberg (26. November) gibt es jetzt Karten im Ticket-Shop des General-Anzeigers.

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