Cage trifft Andy Warhol

Neue-Musik-Reihe "Klingt gut" des Musikrates in der Bundeskunsthalle

BONN.  "Ménage à Musique" war das Konzert des Ensembles Garage mit Neuer Musik im Forum der Bundeskunsthalle in Anlehnung an die derzeit dort stattfindende Pop-Art Ausstellung um Andy Warhol, Jean-Michel Basquiat und Francesco Clemente betitelt.

Veranstalter war der Deutsche Musikrat, der unter dem Motto "Klingt gut" auch Projekte mit Neuer Musik fördert.

Auf das Ausstellungsthema bezog sich aber einzig das Stück "Dead Elvis" des amerikanischen Komponisten Michael Daugherty, das mehr oder minder subtil mit dem Rebellen-Image seines Protagonisten kokettierte, indem der Komponist ihn in Gestalt eines Elvis-like kostümierten Fagottisten auftreten lässt und eine ebenso unkonventionelle wie kreative Collage im Spannungsfeld von Zitaten aus Liszts Totentanz und Musik aus dem Umfeld des King of Pop geschaffen hat, theatralische Schlussgeste inklusive.

Das war erfrischend anders als die zumeist intellektuell konzipierte Kopfmusik europäischer Herkunft an diesem Abend.

Etwa "Mio Cario" von Rodrigo Lopez Klingenfuss, eine Reminiszenz an den dritten Akt aus Verdis Traviata, eine subtile Mischung aus Realität und Traum. Das Ergebnis war ein faszinierendes Werk, komplex und verstörend zugleich. Oder "Staahaadler Affenstall", in dem Oxana Omelchuk mechanischen Musikinstrumenten ein Denkmal gesetzt hat.

Den Schluss des von Herbert Feuerstein ebenso eloquent wie hintergründig moderierten Konzertes bildete "Überhall" von Brigitta Muntendorf, eine inspirierte Variation über verschiedene Facetten des ewig Gleichen.

Den nachhaltigsten Eindruck jedoch hinterließ John Cages "Five". Fünf Instrumente, fünf im Raum verteilte Positionen, ein paar Töne: Musik ohne ideologischen Überbau oder sonstiges Pipapo, einfach nur Musik. Wie schön.

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