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"ÜberLeben"
Jugendclub des Theaters Bonn erzählt eine Geschichte vom Ende der Welt
Von Thomas Kölsch
BONN. Zwei Bühnen. Zwei Handlungsebenen. Fiktion, die aus der Realität geboren wird und schließlich in diese übergreift. "ÜberLeben" - eine beeindruckende Produktion, die der Jugendclub des Theaters Bonn im Lampenlager der Öffentlichkeit präsentiert.
Faszinierendes Spiel: Szene aus 'ÜberLeben'. Foto: Lilian Szokody
Das Ende der Welt ist gekommen, alle Menschen sind zu Stein erstarrt. Nur eine Gruppe Jugendlicher, die mit einer Ballonfahrt das Abitur feiert, überlebt. Das ist zumindest der Rahmen der Geschichte, die die gleiche Gruppe Jugendlicher entwickelt, während sie beim Abschlussgrillen beieinander sitzt. Eine heterogene Clique: Da ist der Vorzeige-Proll, das Blumenmädchen, die Philosophin, die Modetussi, der Streber, der seltsame Außenseiter.
Gemeinsam ist ihnen nur, dass jetzt, zwischen Gymnasium und der weiteren Zukunft, alles möglich scheint. Und so wird auch die gemeinsam erzählte Apokalypse nach dem ersten Schrecken (in dieser Szene fantastisch: Franca Sidler) nicht zur Anti-Utopie, sondern zur Utopie: Keine Regeln, keine Schranken, keine Hindernisse.
"Wir können jetzt alles machen, was wir wollen", sagt Proll Marco (Simon Gierlich und Fabian Witthoff, die vor allem zum Schluss eine Meisterleistung abliefern) in der auf dem Bühnenboden dargestellten Geschichte - und auf dem Podest, in der Realität, beginnt die Gruppe Limbo zu tanzen und sich auszumalen, was sie alles tun, was sie alles besitzen würde. Längerfristig planen - wozu? Hauptsache Partystimmung beim Weltuntergang.
Es ist ein faszinierendes Spiel mit Bühne und erzählter Wirklichkeit, das die 22 Jugendlichen unter der Leitung von Britta Sensenschmidt hier auf hohem Niveau darbieten. Je zwei von ihnen spielen einen Charakter: Einer die fiktive, einer die reale Figur, wobei die Grenzen zwischen diesen sich nach und nach auflösen. Denn schnell wandelt sich der Traum zum Albtraum.
Reglementierung und Machtgier treffen auf den Wunsch nach Anarchie, bis schließlich die Gewalt in der Fiktion eskaliert. Schlimmer noch: Die Spannungen bahnen sich ihren Weg in die Realität. Selbstlosigkeit, Gemeinschaftssinn? Auf beiden Darstellungsebenen wie weggeblasen. Jeder ist sich selbst der Nächste. Bis schließlich die Clique in die Schatten verdrängt wird und die sardonisch grinsenden Bestien in Menschengestalt die Herrschaft übernehmen. Willkommen in der Anti-Utopie.
Weitere Vorstellungen am 16. (17 Uhr), 21. (19 Uhr), 27. Juni (18 Uhr) sowie am 3. und 5. Juli (jeweils 19 Uhr) im Lampenlager. Karten: in den Bonnticket-Shops der GA-Zweigstellen und bei bonnticket.de
Artikel vom 16.06.2012
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