Contra-Kreis-Theater

John von Düffels "Der dressierte Mann"

BONN.  Die Premiere begann wie eine Probe. Auf der Bühne des Contra-Kreis-Theaters fanden sich die Schauspieler Marianne Rogée, Beatrice Richter, Martina Dähne und Stephan Schleberger ein und führten aus ihren Textbüchern lesend in das Thema des Abends ein. Es geht in John von Düffels Komödie "Der dressierte Mann" nach der Streitschrift von Esther Vilar um das Verhältnis von Männern und Frauen.
Pointen-Quartett: Marianne Rogée (links), Stephan Schleberger, Martina Dähne, Beatrice Richter.
								Foto: Contra-Kreis-Theater
Pointen-Quartett: Marianne Rogée (links), Stephan Schleberger, Martina Dähne, Beatrice Richter. Foto: Contra-Kreis-Theater

Vilar verdankte die Welt 1971 das antifeministische Werk "Der dressierte Mann". Darin vertrat die Autorin die These, dass in Wahrheit Frauen Männer unterdrücken und ausbeuten, nicht umgekehrt. Der Zeitgeist heulte 1971 auf, Alice Schwarzer war entsetzt, Vilar wurde zum roten Tuch fürs feministische Establishment.

John von Düffel, der früher als Dramaturg am Bonner Schauspiel wirkte, spinnt Vilars Gedanken auf komödiantische Weise weiter. René Heinersdorffs Inszenierung im Contra-Kreis stellt das Spielerische, die federnde Komik dieses neuen "Dressierten Mannes" aus. Marianne Rogée als Dr. Elisabeth Schröder-Röder souffliert ihren Kollegen an einer Stelle: Theater im Theater. Im Zentrum steht das junge Paar Helen und Bastian (Martina Dähne und Stephan Schleberger).

Für die Dynamik der Handlung sorgen besonders deren Mütter, gespielt von Rogée und Beatrice Richter. Zu Beginn schwört Bastian noch auf eine Beziehung auf Augenhöhe mit seiner Helen, aber als sie ihm bei der Beförderung im Job vorgezogen wird, gerät das modern-aufgeklärte Weltbild ins Wanken: "Ich bin kein Mann mehr." Was folgt, sind inspiriert ausgespielte Geschlechter-Experimente und permanenter Rollentausch. Helen verwandelt sich ins gleichsam genetisch vorgegebene weibliche Prinzip; es basiert auf Shopping und Eitelkeit.

Rogée als Elisabeth liefert den theoretischen Überbau für Helens Metamorphose und die Ökonomie von Beziehungen ("Männer sind Versorger"). Beatrice Richter als Konstanze verkörpert die Praxis. Starke Frauen sind sie beide. Rogée hält denn auch nichts von der Grüßformel Grüß Gott. Bei ihr heißt es: Grüß Göttin.

Nebenbei nehmen die Frauen das Konzept vom neuen, sensiblen, gesprächigen Mann auseinander. Die Intellektuelle und die Intuitive: Richter und Rogée machen das unwiderstehlich gut. Es bereitet viel Spaß, den Bühnen-Alphatieren bei der Arbeit zuzuschauen.

Martina Dähne und Stephan Schleberger taumeln von Erkenntnisschock zu Realitätsfrust, sind mal stimmungsmäßig ganz oben und schnell wieder unten: ewige große Kinder, alle beide. Regisseur René Heinersdorff genießt die Pointen und Bonmots, die er dem Publikum wie Bonbons austeilt. Es wullft anspielungsreich, und am Ende gibt's eine Vision. Etwas zum Gruseln.

 

Bis 29. April im Contra-Kreis. Karten: in den Ticketshops des General-Anzeigers.

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