Lanxess-Arena in Köln

Jay-Z und Kanye West begeistern 16.000 Fans

KÖLN.  Jay-Z und Kanye West haben alles und vielleicht noch mehr geschafft, wovon sie als Jungen geträumt haben. Sie sind die Rap-Mega-Stars und die Produzenten, die in der Rap-Szene die Trends bestimmen. Jay-Z kann es sich als erfolgreicher Unternehmer leisten, nebenher einen New Yorker Basketballverein zu kaufen. Sein geschätztes Vermögen: 150 Millionen Dollar.
Kanye West und Jay-Z in der Lanxess-Arena.
							Foto: Brill
Kanye West und Jay-Z in der Lanxess-Arena. Foto: Brill

Wer so weit oben angekommen ist, braucht seinen Körper nicht unter hiphop-üblichen Kapuzenshirts und zeltähnlichen Jeans zu verstecken. Jay-Z und Kanye West erscheinen in Designer-Leder-Freizeitkleidung auf der Bühne. Dezenter Upper-Class-Geschmack, wären da nicht die übergroßen, geschmacklosen Goldketten.

Kurz darauf besteigen sie zwei gigantische einander gegenüberliegende Quader mit Videoinstallationen, die sie weit über die Köpfe der 16.000 Fans befördern. Die erhobenen Einzelbühnen sind Materialisierungen des aktuellen Album-Titels "Watch The Throne", der wie eine einzige Anmaßung klingt: "Wir sind die Größten, die Stärksten, die Erfolgreichsten " - also die übliche Pose des Protzes?

Ein wenig schon. Kanye West posiert mit einem arroganten Gesichtsausdruck, mit dem er bereits auf die Welt gekommen zu sein scheint. Er verschränkt die Arme wie ein Gladiator, der mit dem Gefühl der alles überragenden Überlegenheit verächtlich auf seine Gegner schaut. Jay-Z kommt weit sympathischer rüber. Irgendwie ist er der geblieben, der er war: ein Junge mit großen Träumen.

Aber wer so viele fantastische Stücke wie die beiden produziert hat, der kann zu Recht von sich behaupten, ganz oben zu stehen. In mehr als 150 Minuten spielen sie in einer schnörkellosen, leider hoffnungslos übersteuerten Show auf irrsinnig hohem Energielevel 38 Hits.

Es reicht, dass Titel angespielt werden, um die gesamte Arena in ein wogendes Meer von hochgereckten Armen und tanzenden Leibern zu verwandeln. Jay-Z's und Kanye Wests Stücke verbindet selbst in den wenigen ruhigen Momenten ein aggressiver Punch und ein treibender Rhythmus, der die Show von Höhepunkt zu Höhepunkt treibt.

Jeder kann ein wenig am Erfolg der Rap-Großmogule teilhaben, ist an diesem Abend ein Gewinner, auch wenn er von dieser Party nur ein Stückchen Spass mitnimmt. Das Versprechen ist: "Du bist der Akteur, du entscheidest. Nimm dein Schicksal in die Hand." Damit auch niemand die Message vergisst, wiederholen sie am Ende des Konzerts viermal "Niggas in Paris": "What's 50 grand to a muhf*kaa like me". Die Botschaft hört man gerne.

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