Restaurantführer 2012
Zwei große Bullaugen in den hellgrauen Türen erlauben einen ersten Blick auf geschäftiges Treiben. Aber erst in der Halle selbst entdeckt man die Feinheiten.
Da fällt gerade Glühwein-Karamell in ein helles Schokobad, taucht wieder auf, rutscht auf ein Gitter, wo Mitarbeiter mit zweizinkigen Gabeln Muster in die noch weiche Schokohülle ziehen, rollt weiter auf ein Fließband, wo schließlich mit Spritzbeuteln feine Streifen aufgemalt werden - es sind viele Handgriffe bis zu dem einen finalen, mit dem die fertige Praline dann im Mund verschwindet. Oliver Coppeneur kaut zufrieden. So schmeckt Weihnachten in seiner Schokoladen-Manufaktur in Bad Honnef.
Nach diesem kleinen Vorgeschmack greift der gelernte Konditormeister eigenhändig ins Geschehen ein. Den riesigen Weihnachtsmann aus Milchschokolade zu gießen, das ist Chefsache; es verlangt Geschick, Erfahrung - und vor allem auch viel Kraft. Rund 70 Zentimeter groß ist die Hohlfigur. Gut fünf Kilogramm Schokoladenmasse braucht es, um die Konturen großzügig auszufüllen.
Wenn alles getrocknet ist, dann wird Sankt Nikolaus noch geschminkt, bekommt mit weißer Schokolade Augen aufgemalt oder mit dunkler Brauen und Mund. Alles für einen guten Zweck. Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch wird den fertigen Schokoriesen am Samstag, am Heiligen Abend, Bonner Feuerwehrmännern übergeben. Er soll ihnen den Dienst an den Feiertagen versüßen.
Von der Bohne bis zum hausgemachten Nikolaus - bei der Confiserie Coppeneur entsteht nichts aus industriell gefertigter Kakaomasse, sondern es wird eine eigene hergestellt. Gerade eben war Oliver Coppeneur noch in Nicaragua und hat Kakaoplantagen besucht, denn auf die Finessen beim Rohstoff kommt es an: "Ein Chocolatier kann nur wegnehmen, hinzufügen kann er nichts."
Auch aus Ecuador, der Dominikanischen Republik oder aus Madagaskar stammen die Kakaobohnen, die rund 120 Coppeneur-Mitarbeiter zu "Cru de Cao"-Tafeln verarbeiten, zu gefüllten Pralinen oder zu Trinkschokolade am Stiel. Etwa 80 Produkte umfasst das Sortiment.
Der große Weihnachtsmann mit dem süßen Schmelz ist jedoch ein Einzelstück. Viel zu schön um reinzubeißen. Außer man ist Feuerwehrmann und wacht am Heiligen Abend über Bonn.
Artikel vom 24.12.2011