Gregg Allman Band auf dem Museumsplatz | GA-Bonn

Gregg Allman Band auf dem Museumsplatz

Allman hat wieder Kraft. Als er am Sonntag auf dem Museumsplatz "Don't keep me wonderin" intoniert, klingt das sehr gesund. Noch im vergangenen Jahr musste der Sänger auf eine Lebertransplantation warten.

Er lebt noch - und wie: Nach einer Lebertransplantation ist Gregg Allman wieder gut bei Stimme. Foto: Horst Müller

Bonn. Wenn Menschen vom Tod vorgemerkt wurden, suchen sie Trost, Zuversicht und Kraft. Wenn Musiker auf dieser Liste stehen, wenden sie sich nicht selten dem Blues zu. Beim Schmuse-Rocker Chris Rea war das so und auch bei Gregg Allman. Als der 63-Jährige im vergangenen Jahr auf eine Lebertransplantation wartete, begann er mit den Aufnahmen für seine jüngste CD "Low Country Blues". Den Songs der alten Meister verpasste er darauf einen ganz persönlichen Dreh.

Der Blues hat seinen Job offenbar gut erledigt. Allman hat wieder Kraft. Als er am Sonntag auf dem Museumsplatz "Don't keep me wonderin" intoniert, klingt das sehr gesund. Immer noch gepresst und knödelig, wie es sein Markenzeichen ist, aber voller Tatendrang. Den Blues braucht der Amerikaner nicht mehr ganz so dringend. Von "Low Country Blues" spielt er an diesem Abend lediglich drei Songs.

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Allman tut das, was er die meiste Zeit seines Lebens gemacht hat. Er widmet sich weitgehend dem Werk der Allman Brothers. Mit seinem Bruder Duane gründete er 1969 jene Band, die damals den bis heute gültigen Standard setzte, was die Verschmelzung von Blues, Jazz und Soul angeht. Duane starb 1971 an den Folgen eines Motorradunfalls, aber Gregg hielt den Laden zusammen.

Wenn die Gregg Allman Band Songs der Allman Brothers interpretiert, klingt das anders. Kompakter, weniger verspielt, mehr auf den Punkt gebracht. Klassiker wie "Whipping Post" oder "Melissa" kennt man in 15-Minuten-Versionen, in diesem Rahmen müssen fünf Minuten reichen. Das Saxofon von Jay Collins gibt vor allem "Whipping Post" eine andere Farbe. Was sonst perlt, ist jetzt viel erdiger. Gerade beginnt man sich zu fragen, was ein kompletter Bläsersatz mit diesem Lied anstellen könnte, da ist es auch schon vorbei.

Zu "Can't be satisfied" kommt Derek Trucks, Allmans Mitstreiter bei den "Brothers", auf die Bühne. Sofort steigt der Lautstärke-Pegel im Publikum um einige Dezibel. Nicht wenige der nur 2 000 Zuschauer auf dem luftig gefüllten Platz sind wegen ihm gekommen. Selbst gestandene Profis wie der deutsche Blueser Henrik Freischlader und der holländische Rocker Julian Sas haben sich unter die Leute gemischt, um dem Slide-Meister auf die Finger zu schauen.

Im Vorprogramm hatte Trucks sein neues Projekt vorgestellt. Seit wenigen Monaten steht er gemeinsam mit seiner Frau Susan Tedeschi auf der Bühne und beglückt die Menschen mit einer Band in Fußballmannschaftsstärke. Trucks platzt vor Musikalität und er ist ein Eklektiker. Eben noch hat er einen Song mit indischen Klängen eingeleitet, im nächsten Moment zitiert er den Soul-Funk von Sly & the Family Stone.

Tedeschis kernige Gitarre holt ihn aber stets auf den Boden zurück, ihr gereifter Gesang gibt beinahe jedem Song eine bluesige Note. Vielleicht ist die zierliche Frau sogar der Star des Abends, vor allem deshalb, weil sie kaum jemand auf der Rechnung hatte. "Revelator", der Erstling der Tedeschi Trucks Band, ist am Merchandisingstand anschließend sehr gefragt.

Mit Trucks klingt die Gregg Allman Band mehr nach Allman Brothers. Die zweite Gitarre neben der von Scott Sharrard tut dem "Brothers"-Song "Dreams" gut. Alles ist jetzt ausufernder, sprengt die Grenzen. Die musikalischen Doppelpässe werden mit der Selbstverständlichkeit des FC Barcelona gespielt. Als sich zu "Feel so bad" auch noch Susan Tedeschi hinzugesellt, erhebt sich die Band übers Champions-League-Niveau hinaus.

20 Jahre lang mussten die zahlreichen Allman-T-Shirt-Träger auf solche Momente warten. Im Juli 1991 spielte Gregg Allman zuletzt in Deutschland, damals im Kölner E-Werk mit den "Brothers". Beim nächsten Mal darf es ruhig schneller gehen. Der Tod soll gefälligst warten.

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