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Im Kölner Museum Ludwig
Grandiose Pop-Art-Schau über Claes Oldenburg
Von Thomas Kliemann
Köln. In der Troika der Pop-Art ist Andy Warhol der coole Zyniker mit Kultstatus, Roy Lichtenstein der nicht minder coole Meister der Distanziertheit und Oberfläche - und Claes Oldenburg der, der die Emotionen und Illusionen, den Drive und den anarchischen Witz der 60er wohl am tiefsten durchdrungen hat.
Claes Oldenburg: 'French Fries and Ketchup' (1963) vorne, 'Green Legs with Shoes' (1961), rechts, 'Lingerie Counter' (1962). Foto: ML
Die Konturen des Lebens sind so weich geworden wie seine riesigen Stoffskulpturen, die Welt schnurrt zusammen auf ein Terrain schnöden Konsums, die Kunst kommt so banal daher wie Kleidung von der Stange, wie Badewannen und Lichtschalter im trauten Heim. Das Bild an der Wand hat keinen Wert mehr, was zählt, sind Aktion, Bewegung - und Sex. Oldenburg: "Ich bin für eine Kunst, die politisch-erotisch-mystisch ist, die etwas anderes tut, als in einem Museum auf ihrem Arsch zu sitzen."
Nun ist seine so wilde, unangepasste, provozierende und wirklich sehr sexy Kunst doch noch im Museum gelandet, zurzeit im Kölner Museum Ludwig. Ein großes Glück. Das Sammlerpaar Irene und Peter Ludwig hat früh die Brisanz und ungeheuere Dynamik von Oldenburgs Werk erkannt und bereits in den 70er Jahren Arbeiten gekauft, die sich heute etwa in den Ludwig Museen in Köln, Budapest und Wien befinden.
Achim Hochdörfer vom Wiener Mumok Stiftung Ludwig hat aus diesem üppigen Fundus und exzellenten Leihgaben aus Paris, New York, Amsterdam und Basel, um nur einige zu nennen, eine atemberaubende Ausstellung zusammengestellt. Nach den Stationen Wien und Köln wird sie zum Guggenheim Bilbao, dem MoMA und Walker Art Center Minneapolis weitergereicht.
Hochdörfer, der Oldenburgs Kunst als "expressionistische Form der Pop-Art" bezeichnet, hat sich auf die ereignisreichen 60er Jahre konzentriert, die Inkubationszeit von Oldenburgs Werk von den weichen Skulpturen bis zu den raumgreifenden Werken im öffentlichen Raum, die er dann ab den 70er Jahren installiert hat. Köln hat seit 2001 eine gestürzte Eistüte auf der Neumarkt Galerie.
Der Besucher der Oldenburg-Ausstellung wird von monströsen, schlappen Elektrosteckern empfangen, er passiert die wunderbare "Street" aus flachen, mit Graffiti übersäten Pappe-Wesen und Dessous aus dem berühmten "Store". Auf dem Boden breiten sich aus Stoff gearbeitete riesige Pommes, bekrönt von einem Ketchup-Klecks aus, um die Ecke liegt wie ein schlaffer Phallus eine überdimensionale Stoff-Eistüte mit grüner Kugel, ein Stück weiter hängt ein monströser weicher Ventilator aus schwarzglänzendem Latex an der Wand - oder ist es ein Gerät für akrobatische Sexualpraktiken?
Oldenburg spielt mit den Assoziationen, das Weiche, Einladende, Formbare, Fetischhafte gehen ineinander über. Früher hatte er nichts dagegen, wenn der Besucher mit seinen Arbeiten spielte. Und heute: Der charmante Oldenburg (83) meinte gestern bei der Pressekonferenz: "Wenn Sie das Ding kaufen, können Sie damit machen, was Sie wollen."
Der wunderbare Parcours endet, wo eine gute Oldenburg-Schau enden muss: Im kleinen dunklen, verwinkelten Mausmuseum mit seinen 385 verrückten Fundstücken und frühen Oldenburgs. Die Wunderkammer wurde für die documenta 5 (1972) geschaffen. Direktor des Mausmuseums war damals kein geringerer als Kasper König, heute Chef des Museums Ludwig. Was für eine Karriere!
Museum Ludwig, bis 30. September. Di-So 10-18 Uhr. Eröffnung: heute, 19 Uhr. Gespräch mit Oldenburg am Samstag, 15.30 Uhr.
Artikel vom 22.06.2012
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