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Musikalisch-literarische Soiree im Stadtmuseum
Glanzvolle Eröffnung des Musikfestes in Siegburg
Von Susanne Haase-Mühlbauer
Siegburg. Mit seinem warmen, fast salonmusikalischen Klangbild, den prunkvoll gedrechselten Füßen und einer reich verzierten Notenhalterung stand er im Zentrum. Der Flügel Engelbert Humperdincks, ein pianistisches Prachtstück des Bayreuther Klavierbauers "Steingraeber und Söhne" aus dem Jahre 1898, hatte diese zentrale Rolle nicht ohne Grund.
Soiree im Stadtmuseum: Bettina Hanschel-Lüdemann und Christian Ubber. Foto: Holger Arndt
Der Steingraeber-Flügel war am Freitagabend im Stadtmuseum als klingender Zeitzeuge Mittelpunkt der Eröffnung des 24. Engelbert-Humperdinck-Musikfestes mit Musik und Literatur aus Humperdincks Zeit.
Das "historische Sahnehäubchen" bildete dabei die Tatsache, dass Humperdincks Musik und die seiner Zeitgenossen am Instrument des Komponisten erklang. Ein Glücksfall für die Geburtsstadt Humperdincks, in der sich das Originalinstrument seit 2001 als Dauerleihgabe des Frankfurter Stadtmuseums befindet.
Nach aufwendigen Restaurierungsarbeiten bei Steingraeber in Bayreuth kam der Flügel vor elf Jahren nach Siegburg. Im Stadtmuseum, dem Geburtshaus Humperdincks, hat er einen würdigen Platz gefunden - die letzten 23 Jahre in Humperdincks Leben hat das Instrument den Komponisten begleitet. Einige der nun am Flügel aufgeführten Werke hat schon Humperdinck an diesem Instrument gespielt.
Und Christian Ubber, Leiter der Musikwerkstatt und Herausgeber verschiedener Humperdinck-Werke, darunter die fünfbändige Liederausgabe von 2006, stellte nun als Pianist am Flügel diese Kleinodien ins Zentrum des Abends. Seine künstlerischen Mitstreiter erwiesen sich dabei als Profis mit großem spieltechnischem und interpretatorischem Können: Die Violinistin Bettina Hanschel-Lüdemann, die Sopranistin Radegund Ebus und die Schauspielerin und Rezitatorin Maike Mielewski von der Studiobühne Siegburg bewiesen viel Feinsinn und Gespür für die romantischen Werke Humperdincks, aber auch für Werke von Wagner, Brahms oder Schubert.
Geradezu dramatisch kam Richard Wagners "Melodram Gretchens" aus Goethes "Faust" für Sprecher (Mielewski) und Klavier (Ubber) daher. Mit ihren zwischen bissiger Ironie und gehaltvoller Tiefe spielenden Deutungen gefielen Maike Mielewskis Rezitationen. Mit strahlend klaren Höhen bestach daneben die Sopranstimme von Radegund Ebus. Und Bettina Hanschel-Lüdemann begeisterte mit ihrem virtuosen, hochromantischen Bogenstrich, etwa beim Vortrag des Scherzos aus der "F-A-E"-Sonate von Brahms.
Als einfühlsamer Begleiter, der sich im Duospiel gegenüber der jeweiligen Solistin durchaus auch zurückzunehmen wusste, überzeugte Ubber. Eine musikalisch-literarische Soiree, die bereits zum Auftakt des Musikfestes ein besonderes Glanzlicht setzte.
Das nächste Konzert des Musikfestes gestaltet der Siegburger Komponist Frank Hoppe mit den beiden Flötistinnen Kathrin Peters und Christin Behne am Dienstag ab 19.30 Uhr in der Musikschule.
Artikel vom 04.06.2012
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