Frauenmuseum im Zeichen der Sophia | GA-Bonn

Frauenmuseum im Zeichen der Sophia

Wenn der Raum im Bonner Frauenmuseum in Dunkelheit gehüllt ist, schimmert an der weißen Wand der sanfte Perlmuttglanz von zwei sich mittig überkreuzenden Linienbahnen. Ungewollt bringt dieser minimalistische Ausstellungsbeitrag die Kernzüge des gesamten Megaprojektes "Wo ist Sophia? - Die Weisheit des Leibes" auf den Punkt.
Bild 1 von 2

 Foto: Franz Fischer

Bonn. Wenn der Raum im Bonner Frauenmuseum in Dunkelheit gehüllt ist, schimmert an der weißen Wand der sanfte Perlmuttglanz von zwei sich mittig überkreuzenden Linienbahnen. Wenn Michaela van den Driesch ihre erfinderische Konstruktion in Betrieb nimmt, erleuchtet ein durch den Raum schwebendes Glasröhrenpaar, das nunmehr den Buchstaben X plastisch verkörpert.

Das Licht-Schatten-Ensemble mit dem Titel "Beyond the lines" macht, so die Berliner GEDOK-Künstlerin (GEDOK ist die "Gemeinschaft Deutscher und Österreichischer Künstlerinnenvereine aller Gattungen"), "Energie und die Geometrie des Lichtes" sichtbar.

Ungewollt bringt dieser minimalistische Ausstellungsbeitrag die Kernzüge des gesamten Megaprojektes "Wo ist Sophia? - Die Weisheit des Leibes" auf den Punkt. Geboten wird von insgesamt 63 bundesweit verstreuten Mitgliedern der GEDOK ein Kaleidoskop bemerkenswerter Studien und Themenkommentare.

Mir dieser einen oder mehrere Besuche verdienenden Megaschau (Kuratorin: Julitta Franke) zelebriert die GEDOK ihr 85-jähriges Bestehen. Und das Frauenmuseum setzt den hausinternen Trend fort, "die Welt aus weiblicher Perspektive zu entschlüsseln", so Direktorin und Gründerin Marianne Pitzen.

Altertumsforscherin und Mythologieexpertin Franke beschwört im Katalogvorwort den sich um das Schlüsselmotiv rankenden Deutungsradius herauf. Sophia ist Synonym für "spielerisch heitere Schöpferkraft", Personifizierung der "Seele der ganzen Schöpfung", der " göttlichen, weiblichen Weisheit"; diese Qualitäten werden aufgestockt durch sinnliche Aspekte wie "Erfahrung des spürenden Leibes" oder "gefühltes, erlebtes Wissen".

Das transparent gegliederte Panorama verzahnt eine Kommunikation zwischen Bilderfolgen, Installationen und plastischen Alleingängen sowie Videoarbeiten. Der Mythos Sophia scheint auf in mythologischen, religionsphilosophischen, geschichtlichen, literarischen, in musikalisch orientierten Spurensuchen.

Nicht selten greifen Namensspiele, Analogiebildungen, Parallelen zu Heldinnen oder Zeitzeichen der Moderne; anzutreffen sind ebenso Diskurse zu Bereichen wie Traum, Unterbewusstsein, Identität, innere Balance, Kontemplation.Weitere Schwerpunkte bilden Auslotungen von Licht und Schatten, Kraft, Schönheit, Grazie, Sinnlichkeit, Eros, Fruchtbarkeit, Wachstum, Geburt und Vergehen.

Nur eine Künstlerin verweigert sich rigoros der Fahndung nach Sophia: die 96-jährige Collagenmeisterin Ilsetraut Glock liefert eine dadaistisch unterfütterte Themenverfehlung mit Sophia in der Rolle des Hirngespinstes.

Frauenmuseum, Im Krausfeld 10, bis 21. August. Di - Sa 14 bis 18 Uhr, So 11 bis 18 Uhr. Katalog 10.

Abo-Bestellung

Anzeigen

Anzeige

Leserfavoriten

Folgen Sie uns auf Google+

Umfrage

Das deutsch-deutsche Traumfinale ist perfekt. Bleibt nur die Frage: München oder Dortmund?

Bayern München
Borussia Dortmund