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Zweiten Hearing zum Kulturkonzept
Experten stellen Kammerspiele infrage
Von Bernhard Hartmann
bonn. Es sei eine Art Werkstattbericht, sagte Bonns Kulturdezernent Martin Schumacher zu Beginn des zweiten Hearings zum Kulturkonzept im Bonner Kunstmuseum. Mit konkreten Ergebnisse war also beim Bericht der fünf Runden Tische, deren Sprecher sich diesmal auf dem Podium um ihn herum versammelt hatten, noch nicht zu rechnen.
Moderator Mario Mensing und die Sprecher der Runden Tische: (von links) Frank Heuel, Bernhard Helmich, Victoria Appelbe, Martin Schumacher (Kulturdezernent), Daniel Schneider, Jan Holger Schmidt und Ulrich Bumann. Foto: Arnulf Marquardt-Kuron
Wieder ging es um kritische Bestandsaufnahme, wieder ging es darum, Visionen für die nächsten zehn Jahre bis 2022 zu formulieren. Freilich immer vor dem Hintergrund, dass der heute 69 Millionen Euro betragende Kulturetat in den nächsten Jahren im besten Fall nur leicht rückläufig sein wird. In der nächsten, bis zum 5. Juli dauernden Sitzungsrunde der insgesamt zehn Tische soll das Konzept dann auf seine Realisierbarkeit abgeklopft werden.
Trotz rückläufiger Mittel wollen die Experten des Runden Tisches Darstellende Künste die freie und städtische Theaterlandschaft Bonns weiter nach vorne bringen. "2022 ist Bonn ein bedeutendes Zentrum der darstellenden Kunst in NRW", heißt es in der von Frank Heuel vorgetragenen Vision.
Zwei Säulen sind es, auf denen die Zukunft der Bonner Theaterlandschaft stehen soll. Die Einrichtung eines Theaterzentrums fürs Stadttheater und für die freie Szene auf dem Gelände der Halle Beuel ist die eine. Auf der anderen Seite schlägt man vor, am Standort der Oper die Hauptspielstätten von Oper und Schauspiel zu konzentrieren. Das würde das Aus für die Kammerspiele Bad Godesberg bedeuten. Aus dem Publikum regte sich bereits Widerstand, den Kurt Tudyka vom Verein der Freunde der Kammerspiele formulierte.
Die Musik ist gleich an mehreren Tischen vertreten. Ein eigener besetzt das Thema Beethoven. Sprecherin und Beethovenfest-Intendantin Ilona Schmiel sieht für 2022 die Modernisierung des Beethoven-Hauses ebenso als Muss wie ein Festspielhaus. Darüber hinaus kündigte sie die Einrichtung einer dem Beethoven Orchester unterstellten Beethoven-Akademie zur Förderung junger Musiker an.
Darüber, dass die Beethovenhalle in ihrem jetzigen Zustand nicht tragbar ist, war man sich auch am Runden Tisch Musik einig. Gerade für Pop-Konzerte sei sie nicht nutzbar, sagte Holger Jan Schmidt. Er ist Sprecher des Runden Tisches Pop-Musik, einer erst später eingerichteten eigenen Abteilung des Runden Tisches Musik. Sie war als nötig empfunden worden, weil die Voraussetzungen für Pop und Klassik sehr konträr sind.
Denn während die Klassik auf eine funktionierende Infrastruktur zurückgreifen kann, ist dieser Begriff für den Popmusik-Sektor ein purer Euphemismus. "Ich war gerade in Karlsruhe", sagte Sprecher Holger Jan Schmidt, "die haben alles". Schmidt hat viele Jahre das mittlerweile abgewickelte Rheinkultur-Festival organisiert. Er beklagte auch das Fehlen einer Halle für Konzerte mit 2000 Besuchern.
Die Klassikexperten hatten angesichts einer blühenden Musikszene (neben dem Beethoven Orchester eine Fülle von kirchenmusikalischen und anderen Aktivitäten, von der reichen Chorszene bis zu den Meisterkonzerten für Gitarre) allein für die Bestandsaufnahme viel zu tun. Wie die Zukunft der Beethoven- und Schumannstadt Bonn 2022 aussehen soll, darüber wollte und konnte man noch keine Auskunft geben.
Die zweite Phase der Runden Tische sei für die Klassik noch lange nicht abgeschlossen, sagte Sprecher Ulrich Bumann, der am Runden Tisch das Schumannfest vertritt. Aber auch für die Kollegen von der Pop-Musik ist die Formulierung eines Soll-Zustandes noch nicht abgeschlossen. Immerhin einigte man sich bereits auf ein Drei-Säulen-Modell für Bonn mit Klassik, Pop und Jazz/Weltmusik, die sich alle in größeren und kleineren Festivals widerspiegeln sollten. Und dass Education-Programme für die Zukunft eher noch noch wichtiger werden, scheint auch unbestritten.
Daniel Schneider plädierte als Sprecher des Runden Tisches für Literatur für ein gemeinsames Label der zahlreichen, aber noch schlecht vernetzten Aktivitäten auf diesem Gebiet. "Insgesamt ist es das Ziel, die Literatur wirkungsfähiger zu machen, zuständig wären die Stadtbibliothek und das Literaturhaus", sagte der Bonner Germanist. "Vernetzung" ist auch ein Stichwort für die Einbindung der Wissenschaft in Bonns Kulturleben, wie Sprecherin Victoria Appelbe hervorhob.
Die Ergebnisse der jetzt folgenden dritten Phase werden anschließend in den politischen Gremien erörtert und zum Winter hin in einem Papier zusammengefasst. Eine Bürgerbeteiligung gibt es auch. Bis zum 16. Juni kann man sich unter www.kulturkonzept-bonn.de an der Diskussion beteiligen.
Artikel vom 24.05.2012
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