Enoch zu Guttenberg in Kölner Philharmonie

KÖLN.  Enoch zu Guttenberg hat in der Kölner Philharmonie die 7. Sinfonie von Anton Bruckner dirigiert.

Der Dirigent Enoch zu Guttenberg. Foto: dpa

Vor allem der Name sorgte 1997 bei der Gründung des "Orchesters der Klangverwaltung" für Aufsehen: Ein verantwortungsvoll treuhänderisches Verwalten von Musik hatten sich die beiden Geiger Andreas Reiner und Josef Kröner sowie Dirigent Enoch zu Guttenberg auf die Fahnen geschrieben, und das klingt mehr nach bürokratischem Papierkram als nach künstlerischer Auseinandersetzung. Doch mit Anton Bruckners 7. Sinfonie zeigten die Klangverwalter in der Kölner Philharmonie einmal mehr, dass ihr Treuhandverhältnis zur Musik von großer Leidenschaft geprägt ist.

Guttenberg dirigiert einen entschlackten Bruckner mit scharf herausgearbeiteten Konturen und Liebe zum Detail. Warm und weiträumig kommt das erste Thema daher, wird aber nicht als Staatsakt inszeniert. Guttenberg experimentiert mit delikaten Klangmischungen, wobei Transparenz seine oberste Maxime ist: Selbst beim geballten Klang der Blech- und Holzbläser und den typischen hohen Begleitfiguren der Streicher bleibt jede einzelne Instrumentengruppe jederzeit hörbar. Das Adagio, Trauermusik auf Wagners Tod, nimmt Guttenberg flott und bricht auch sonst gern mit Hörgewohnheiten, wenn er etwa die Geigen senza vibrato spielen lässt. Nicht immer kann die E-Dur-Sinfonie das von barocker Aufführungspraxis inspirierte Trockene und Kleingliedrige vertragen - ein wenig von Bruckners unendlicher, atmender Weite geht dabei verloren. Doch langweilig wird es nie.

Das glänzende Blech der Star des Abends

So gelingt dem Dirigenten in diesem Adagio ein großartiger Spannungsaufbau hin zum C-Dur-Höhepunkt, der den unter Bruckner-Fans umstrittenen Beckenschlag und Triangel-Einsatz durchaus schlüssig erscheinen lässt. Zupackend, mit energiegeladener Phrasierung kommt die Klangverwaltung auch durch Scherzo und Finale, das allerdings mit einem überzogenen Accelerando endet. Neben den singenden Streichern ist das glänzende Blech der Star des Abends: Die Wagnertuben erzielen nicht nur im zweiten Satz ihre geheimnisvolle Tiefenwirkung, die starken Hörner leisten sich keinen einzigen Kiekser, und der Mann an der Kontrabasstuba behauptet sich mit seinem eindrucksvollen Lungenvolumen sogar gegen Trompeten und Posaunen.

Mit welch nobler Klangkultur sich das Orchester auch zurückhalten kann, zeigen Mahlers "Kindertotenlieder" im ersten Teil des Konzerts. Nicht aus Rücksicht auf Hanno Müller-Brachmann, dessen kerniger Bassbariton sich gegen jedes Tutti behaupten kann, sondern weil das Gleichgewicht zwischen Verzweiflung und Erlösung es erfordert. Müller-Brachmann schont die Hörer nicht und erfüllt die Lieder mit dem Schmerz des trauernden Vaters; manchmal fällt seinem Gestaltungswillen jedoch nicht nur der Schönklang, sondern auch die Artikulation zum Opfer. Den größten Ausdruck entfaltet die wandelbare Stimme in der Tiefe, etwa im dritten Lied: "Ach, zu schnell erloschner Freudenschein!" - wenn Müller-Brachmann hier in den schwärzesten Abgrund hinabsteigt, kann man kaum glauben, dass Mahler die "Kindertotenlieder" Jahre vor dem Tod seiner vierjährigen Tochter komponiert hat.

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