Lesung im Bonner Pantheon: Einmal Kreml und zurück | GA-Bonn

Lesung im Bonner Pantheon

Einmal Kreml und zurück

bonn.  An den 28. Mai 1987, als Mathias Rust auf dem Roten Platz in Moskau landete, kann sich Wladimir Kaminer noch gut erinnern. Vor 25 Jahren war der Berliner Kultautor im zweiten von drei Moskauer Verteidigungsringen stationiert.

Nicht, dass irgendjemand in ihn oder seine Kameraden noch große Erwartungen gesetzt hätte. "Wir galten als Versager und waren mehr mit Tausendfüßlern und anderen Krabbeltieren beschäftigt, die sich bei uns breit zu machen versuchten", erzählte Kaminer jetzt bei seiner Lesung im Pantheon. Dort war der Autor und Erfinder der "Russendisko" schon öfters zu Gast. Für den 44-Jährigen also fast schon ein Heimspiel, und für sein Publikum einfach ein Genuss

Wobei wir froh sein dürfen, wenn Kaminer überhaupt noch zum Schreiben kommt. Bei zwei pubertierenden Kindern gar nicht so einfach. Andererseits liefern die mehr als genug Stoff ab. Und lassen ihren Vater an seine Kindergartenzeit zurückdenken, als die Gruppe in besten Anzügen und Kleidchen drei Tage lang auf den Fotografen wartete, um dann den Kopf durch eine Pappwand zu stecken: die Jungs als Astronauten, die Mädchen als Ballerina.

Der Erzähler hat sich zum Glück für einen anderen Beruf entschieden. Sonst wüssten wir nicht, wie bizarr eine schwäbische Kehrwoche aus russischem Blickwinkel sein kann. Und wir wollen noch viel mehr wissen, beim nächsten Mal im Pantheon.

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