Ein Freund der schrägen Töne | GA-Bonn

Ein Freund der schrägen Töne

Sebastian Krämer macht im Bonner Pantheon große Worte

Bonn. Das Dumme an Geheimtipps ist, dass sie es nicht lange bleiben. Wobei ein schräger Poet wie Sebastian Krämer zweifellos ein ebenso großes Publikum verdient wie seine schon bekannteren und etablierten Kabarett-Kollegen. Mit ihm hat das Pantheon in seiner Reihe "SommerNachtsKomik" jetzt also eine echte "Neuentdeckung" gemacht.

Falls man bei dem Gewinner des "German-International-Poetry-Slam-Champion" der Jahre 2001 und 2003 und dem 1. Preisträger des "Bundeswettbewerbs Gesang 2003 (Sparte Chanson/Song) davon überhaupt noch davon sprechen darf. Fest steht jedoch, dass der aus dem Kalletal stammende und in Berlin lebende Westfale "ein Freund großer Worte ist" und folgerichtig auch sein aktuelles Programm genau so genannt hat. Gespickt mit lauter hintersinnigen Feinheiten, die seine Zuschauer zum Abschluss mit ausgiebigem Applaus belohnten.

Äußerlich Typ Schwiegersohn mit nettem blonden Wuschelkopf, Anzug und Krawatte, bringt der Klavierkabarettist auch manches mit, was spontan an bereits erwähnte Kabarettisten und Kleinkünstler wie zum Beispiel Erwin Grosche oder auch Helge Schneider erinnert. Und was seine Zuschauer betrifft, stellt Krämer durchaus gewisse Ansprüche, serviert Daktylen und Jamben statt Schenkelklopfern und Anzüglichkeiten. Die kommen zwar auch noch zum Zuge, wirken aber dank Krämers subtiler Ausdrucksweise nicht einfach platt, sondern kokett im Stil des Cabarets in den Goldenen Zwanziger Jahren - Berlin grüßt Bonn.

Dass nicht selbstsichere Siegertypen, sondern oft auch die kopflastigen und leicht neurotischen "Verlierer" nach dem Zuschnitt Woody Allens in Wahrheit bei den Frauen punkten - damit hat Krämer sich schon früher zu trösten gewusst. Und obwohl selbst Hausmeisterinnen seine Heiratsanträge abzulehnen pflegen, weiß er nun doch, wo seine wahren Stärken liegen. Und das Publikum aus dem Bonner Pantheon weiß es auch, in der Hoffnung auf ein Wiedersehen.

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