Konzert in Köln: Die Ärzte spielen vor 15.000 Fans in der Lanxess-Arena | GA-Bonn

Konzert in Köln

Die Ärzte spielen vor 15.000 Fans in der Lanxess-Arena

Köln.  Mädchen sind nicht gut in Physik. Das ist natürlich nur ein Vorurteil. Das sich aber in der ausverkauften Lanxess-Arena bereits beim dritten Stück der Ärzte bestätigt. Offensichtlich hat die Trägerin des knallroten BHs in geschätzter Körbchengröße C die Kombination von Masse, Beschleunigung und Gravitation (von anderen Kräften ganz zu schweigen) nicht richtig eingeschätzt.

Medizinische Grundversorgung: Die Ärzte in Köln bei ihrem furiosen Konzert in der Lanxess-Arena. Foto: Thomas Brill

Beim Flug über den Rand der Bühne landet das delikate Präsent direkt vor den Füßen von Rodrigo "Rod" González (44). Dabei ist eigentlich eher Bela B. alias Dirk Felsenheimer (49) der Mädchentyp in der Band.

Aber bis zur Schießbude des Drummers ist der Weg nun gar zu weit. Ob persönlich gemeint oder nicht: Rod hängt das neckische Spitzengespinst flugs an seinen Mikroständer, und da baumelt es dann die nächsten Stunden wie ein Skalp. Ob die Besitzerin mit der Brünetten identisch ist, die 26 Songs später, bei der ersten Zugabe "T...maus", oben rum blank zieht, was kraft Kamera-Zooming auf die Großbildleinwand niemandem verborgen bleibt, lässt sich - im Eifer des punkigen Gefechts - nicht so ohne weiteres klären.

Wenn für 15.000 Fans in der Lanxess-Arena Die Ärzte die beste Band der Welt bleiben, wenn mit 29 Stücken und neun Zugaben im temporeichen Schnitt von 12,6 musikalischen Beiträgen pro Stunde das Rondo der zuckenden, hüpfenden, tanzenden Leiber aufs Neue entfesselt wird, und das Trio aus Berlin in Ohren betäubender Lautstärke einmal mehr seine vielseitigen Entertainerqualitäten unter Beweis stellt, spielen nackte Tatsachen überhaupt eine große Rolle. Zu denen etwa gehört, dass die 1982 gegründete Band bislang bundesweit fast sieben Millionen Tonträger unter die Leute brachte, nachwachsende Generationen für sich begeisterten konnte.

Die Ärzte sind kein Stück kompromissbereiter geworden, nennen die Dinge immer noch direkt beim Namen und agieren immer noch auf so eine selbstironische, kumpel- aber nie gönnerhafte Art und Weise, dass es eine helle Freude ist. Angefangen von der ersten, selbstredend rhetorischen, Frage "Ist das noch Punkrock?" über "Bettmagnet" und "Tamagotchi" (alle drei von der letzten, im April veröffentlichten Scheibe "auch"), "Hurra", "Ein Mann" und "Ein Lied für dich", "Wir sind die Besten", "Deine Schuld" und "Anti-Zombie", Perlen von der CD "Das ist nicht die ganze Wahrheit" ("Popstar, komm zurück"), Hymnen wie "Schrei nach Liebe" und "Ist das alles?" oder das Kreidezeit-Schätzchen "Mein kleiner Liebling" von 1984 bieten Die Ärzte eine medizinische Rundumversorgung.

Und dass Farin Urlaub alias Jan Vetter (48) beim gecoverten Deep Purple-Klassiker "Smoke On The Water" nach einer Strophe und dem Refrain befindet: "Bis hierhin und nicht weiter" ist nur logisch. Denn Die Ärzte haben zwar viel zu bieten - inklusive einer wohl durchdachten Licht- und Bühnenshow die je opulenter wird, desto länger der Abend währt - aber eine Orgel gehört nicht dazu.

Anderes dagegen schon. Etwa die Ankündigung, um 22.07 Uhr nun das letzte Lied zu spielen. Die man in etwa so verstehen muss wie das Versprechen: "Wenn du mit uns nach Hause kommst, dann wollen wir dich nur küssen - nicht mehr."

Eine glatte Lüge also. Aber, in diesem Fall, eine ungemein erfreuliche.

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