Das GA-Torfieber grassiert wieder
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Das Timing hätte kaum bescheidener sein können: Ausgerechnet an dem Tag, als Bastian (Stephan Schleberger) seiner Freundin Helen (Martina Dähne) einen Antrag machen will - als das Candlelight-Dinner auf dem Tisch steht -, wird sie befördert und bekommt genau den Job, auf den ja er eigentlich spekuliert hatte.
Kurzum: Der Haussegen hängt schief, und wie das aussieht, können die Theaterbesucher bei John von Düffels Komödie "Der dressierte Mann" erleben, die am Donnerstag, 23. Februar, Premiere im Contra-Kreis-Theater feiert.
Der dressierte Mann? Wem das nun bekannt vorkommt, der liegt damit absolut richtig. Vorlage für dieses Stück lieferte Esther Vilars gleichnamige Streitschrift, die Anfang der 1970er Jahre Alice Schwarzer und ihre Mitstreiterinnen auf den Plan rief. Sind Frauen tatsächlich die Ausbeuterinnen ihrer Männer, die für sie den Geldbeutel öffnen dürfen und solange Nummer eins sind, bis einer auftaucht, der sich als noch besserer Garant für Wohlstand und Sicherheit erweist? Ist es etwa das, was Helen beherzigen sollte?
Bei der Beantwortung dieser Frage bekommt sie tatkräftige Unterstützung, denn die Rolle hat Regisseur René Heinersdorff mit Marianne Rogée ("Lindenstraße") und Beatrice Richter ("Sketch up") prominent besetzt. Wer sonst könnte provokante Thesen mit so viel Charme und Biss zugleich vertreten?
Wer also wäre berufener, zusammen mit der Generation der Töchter im Lichte ihrer Erfahrung die weibliche Strategie für das 21. Jahrhundert zu entwerfen?
Und Bastian? Sollte vielleicht noch einmal das Original von Esther Vilar zur Hand nehmen. Dort steht es schwarz auf weiß: "Was immer Männer anfangen, um den Frauen zu imponieren: In der Welt der Frauen zählen sie nicht. In der Welt der Frauen zählen nur die anderen Frauen."
Artikel vom 22.02.2012