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Brillante Dialoge: "norway.today" in der Brotfabrik
Von Karsten W.N. Kurze
Darsteller bereiten dem Publikum ein kribbelndes Erlebnis
Bonn. Igor Bauersimas Zwei-Personen-Stück "norway.today" aus dem Jahr 2000 war 2003 und 2004 das meistinszenierte Theaterstück in Deutschland und ist derzeit immer noch ein Publikumsmagnet.
Immer mal wieder auch auf einer von Bonns kleineren Bühnen, so zum Beispiel gerade erst für zwei Aufführungen auf der Bühne in der Brotfabrik. Dort gastierte das Kölner Theater Acting Accomplices unter der Regie und technischen Leitung von Thomas Ulrich mit dem Stück und elektrisierte das meist jugendliche Publikum mit einer lebensfrohen Darbietung.
Und das, obwohl es um Selbstmord geht. Das Stück beginnt mit der 20-jährigen Julie (Alice Gruia), die in einem Internetchat ihre Absicht kundtut, sich das Leben zu nehmen. "Ich passe nicht unter Menschen. Auch nicht unter lebensmüde", schreibt sie und sucht so nach jemandem, der bereit ist, sie in den Tod zu begleiten. Der etwas jüngere August (Jonas Baeck) schreibt zurück: "Ich konnte mir eigentlich nie vorstellen, dass ich mal irgendwas mit dem Leben zu tun haben würde." Schon sind die zwei verabredet und begeben sich an einen Fjord in Norwegen, wo sie den letzten großen Sprung wagen wollen.
Das klingt depressiv, ist aber alles andere, denn die Hauptdarsteller sind es nicht. "Depressiv sein lohnt nicht. Es ist dumm, es bremst. Es macht nicht glücklich" klärt Julie ihren Selbstmordpartner auf und verkündet: "Ich tendiere zum Glücklichsein." August hält sie dafür zwar für verrückt, will gemeinsam mit ihr aber den Freitod als letztes, großes Erlebnis zelebrieren.
Es macht Spaß zuzusehen, wie diese zwei vermeintlich verwandten Seelen sich doch immer wieder aneinander reiben.
Während Julie keinen Zweifel an ihrer Entscheidung und der Durchdachtheit ihres Vorhabens lässt, denkt man bei August zuweilen, er sei vor allem mitgekommen, um die reizende Julie zu erobern. Und zumindest theoretisch ist er damit auch erfolgreich, denn die komischste Szene des Stückes ist ein Dialog als gemeinsame Sexfantasie.
Das dank der zwei intensiven, jungen Darsteller kribbelnde Theatererlebnis begeistert so in fast jedem Moment. Allerdings geht unter all den brillanten Dialogen mitunter die Botschaft des Stücks verloren.
Artikel vom 10.01.2009
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