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Entfesselte Chorenergie
Bonner Kreuzkirchen-Kantorei führte "Jephtha" auf
Von Fritz Herzog
BONN. Mit dem 1751 entstandenen und ein Jahr später uraufgeführten dramatischen Oratorium "Jephtha" hatte sich die Kantorei der Kreuzkirche Bonn, idiomatisch verlässlich begleitet vom hauseigenen, historisch orientierten "Bonnbarock"-Orchester, Georg Friedrich Händels letztem Werk jenes sakralen Spezial-Genres zugewandt. Nicht zum ersten Mal in der traditionsreichen Aufführungsgeschichte am Kaiserplatz.
Das knapp dreistündige opernhaft affektenreich gestaltete Händel-Oratorium erscheint aus Chorsicht nicht sonderlich effektiv. In lediglich zehn seiner über 70 Nummern tritt der Chor in Erscheinung (von denen man zudem in Bonn noch zwei gestrichen hat).
Nichts desto trotz bewältigt die knappe Hundertschaft an Sängerinnen und Sängern ihre meist handlungsreflektierenden Aufgaben, vom musikalischen Leiter Sebastian Breuing glänzend inspiriert, überzeugend souverän: Sauber in Intonation und Artikulation, präzise in den Einsätzen, exakt in den fugierten Passagen, punktgenau zum Abschluss; bravourös entfesselte und dennoch unaufgeregt sensibel wirkende Chorenergie insbesondere zu den jeweiligen Akt-Finales.
Handlungsmittelpunkt des Oratoriums ist das Gelübde des israelitischen Feldherrn Jephtha, das Erste, was ihm nach seinem Siege begegne, fatalerweise seine Tochter Iphis, seinem Gott zu opfern. Das Solistensextett sorgte für dramatisch fein differenzierenden, charaktervoll emotionalen Ausdruck.
Es sangen Yves Saelens als operntenoral versierter Jephtha, Ralf Rhiel mit noch jungem Bassbariton als dessen Bruder Zebul, Judith Hilger mit warmem Mezzosopran als Jephthas Frau Storgè, Hiltrud Kuhlmann mit schlank geführtem Sopran als Iphis, Countertenor Franz Vitzhum, von seiner Farbe her eher ein überzeugender Altus, als Iphis' pathetisch entsagende Geliebte, und nicht zuletzt Elisa Rabanus als erlösender Engel mit leuchtendem Sopran. Entsprechend begeistert fiel die Anerkennung des Publikums aus.
Artikel vom 15.05.2012
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