Das GA-Torfieber grassiert wieder
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Wer weiß, vielleicht war es ja das zweite Klavierkonzert von Johannes Brahms, das Hermann Hesse zu seinem Gedicht "Stufen" inspirierte. Das Gedicht beginnt mit dem berühmten Vers: "Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne." Schöner nämlich als Brahms es mit dem Hornmotiv musikalisch formuliert, dem das Klavier leise, einem Echo gleich antwortet, ließen sich Worte Hesses jedenfalls nicht in Musik übersetzen. Beim jüngsten Freitagskonzert in der ausverkauften Beethovenhalle hießen die Dialogpartner Volker Grewel (Horn) und Rudolf Buchbinder (Klavier).
Das Konzert wird gern als Sinfonie mit obligatem Klavier bezeichnet, weil Brahms dem Orchesterpart sehr großes Gewicht verleiht und auf die traditionelle Kadenz, in welcher der Solist zum dramaturgischen Satzhöhepunkt hin allein im Rampenlicht glänzt, verzichtet. Bei dem Österreicher Rudolf Buchbinder muss man allerdings keine Sorge haben, dass er sich dabei gleichsam im Orchesterklang verlieren würde.
Im Gegenteil. Buchbinder spielte am Freitag einen sehr profilierten, virtuosen und durchaus kraftvollen Brahms. Und Stefan Blunier am Pult sorgte auf der anderen Seite dafür, dass der Pianist nie das Orchester in den Schatten stellte. Hier standen sich also zwei Partner auf Augenhöhe gegenüber, sowohl in dem dramatischen Schluss des Kopfsatzes als auch im kraftstrotzenden Scherzo. Und in dem wunderbar poetischen Andante mit seinem himmlischen Cellosolo, das Christian Brunnert mit schönem Ton und ganz viel Herz zelebrierte, herrschte ein musikalisch fühlendes Einvernehmen.
Mit federleichter Geste eröffnete Buchbinder schließlich den Finalsatz. Für dieses Konzert, das den Poeten am Klavier ebenso braucht wie den Kraftprotz, wie man nur wenige Takte später erleben kann, ist Buchbinder genau der Richtige. Das Publikum spendete begeistert Beifall.
Ein Konzertabend, der mit Brahms beginnt, lässt sich mit Musik von Antonin Dvorak gut fortsetzen. Keine originelle, aber eine funktionierende Zusammenstellung. An diesem Abend war die siebte Sinfonie des Böhmen zu hören. Der Einfluss von Brahms und Beethoven auf diese Musik ist nicht zu leugnen, aber Dvorak findet trotz alledem einen eigenen Ton. In dieser von tragischen Stimmungen geprägten Musik konnten sich vor allem die Streicher und Holzbläser profilieren, die der Sinfonie klangliche Fülle und wunderbar abgetönte Farben verliehen. Blunier zeigte sich hier als musikalischer Feinzeichner, wie man besonders schön in dem melancholisch-tänzerischen Scherzo hören konnte, das regelrecht traumverloren vorüber zog.
"Nach so viel Tragik etwas Versöhnliches", kündigte Stefan Blunier nach dem begeisterten Applaus des Publikums Dvoraks Slawischem Tanz in e-Moll aus op. 72 als Zugabe an: ein hinreißender Schluss.
Artikel vom 06.02.2012