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Auf den Spuren der Bonner Republik
Von Thomas Kliemann
Junge Kunsthistoriker erforschten die Bauten der Bundeshauptstadt. Ausstellung und Buch zeigen die Ergebnisse.
Bonn. In den 60er Jahren landeten UFOs in Bonn. Das lassen Bilddokumente aus jener Zeit vermuten. Etwa ein Foto vom Pausenfoyer der Oper mit zeittypischem Scheibendekor an der Decke, und auch die Sitzgruppen muten an wie futuristische Pilz-Ensembles. Das heute komplett umgebaute Foyer passte wunderbar zur bizarren Silhouette des Opernbaus.
Lupenreine Interieurs der 60er Jahre gab es auch im "Langen Eugen", während die Ästhetik der 50er in schönster Reinkultur das alte Postministerium prägte. Fotografische Schätze aus den vergangenen 60 Jahren erzählen vom spannenden Prozess, der mit einem Provisorium begann, die Zeit der Bundeshauptstadt Bonn umfasste und jetzt im Status der Bundesstadt angekommen ist.
Junge Kunsthistoriker, Studenten der Bonner Universität, haben sich in die Fotoarchive des Stadtarchivs und von Boris Schafgans begeben, Dokumente begutachtet und ein Semester lang über die Epoche geforscht, die Bonner Republik genannt wird.
Herausgekommen ist eine Ausstellung, die am 30. September in der Abteilung für Kunstgeschichte eröffnet wird und neben 61 historischen Fotografien Modelle der Oper und des Stadthauses präsentiert. Begleitet wird die Schau von einem ausgezeichneten Katalog, der ausführlich und fundiert 34 Bauten von der Villa Hammerschmidt bis zur Bundeskunsthalle von der Beethovenhalle bis zum Kanzlerbungalow vorstellt.
Spannend ist, was insbesondere die Fotografien über diese Stadt und ihre Befindlichkeit sagen. Während etwa das 1986 abgerissene alte Bundeshaus von Hans Schwippert bei aller architektonischen Brillanz den gediegenen Charme der 50er Jahre atmete, zu dem auch ein ausladender Gummibaum gehörte, strahlt der Nachfolgebau von Günter Behnisch die Eleganz und Weitläufigkeit der erwachsenen Bonner Republik aus.
Sep Rufs Kanzlerbungalow verbindet Bescheidenheit mit einer zeitlosen Modernität. Mit dem Konrad-Adenauer-Haus sollte für die CDU alles besser werden: Eine Broschüre zeigt, wie beengt die Christdemokraten bis 1971 arbeiteten und wie sehr sie sich auf das neue Hochhaus freuten. Drei Jahrzehnte später wurde es allerdings gesprengt. Auch das ist fotografisch dokumentiert.
"Bauen für die Bundeshauptstadt", so der Titel von Schau und Buch, ist buchstäblich ein wichtiger Baustein zur Geschichte Bonns und der Bundesrepublik.
Abteilung für Kunstgeschichte der Uni, Regina-Pacis-Weg 1; bis 14. Oktober. Mo-Sa 9-19 Uhr. 1. und 3. Oktober, 14-18 Uhr. Eröffnung: 30. September, 17 Uhr. Das von Martin Bredenbeck, Constanze Moneke und Martin Neubacher herausgegebene Buch erscheint im Weidle Verlag, 158 Seiten, 12 Euro.
Artikel vom 30.09.2011
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