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Internationale Tanztage in Bonn
Ailey II aus New York begeistert
Von Gunild Lohmann
bonn. "Ailey II", das klingt ein wenig nach der zweiten Garnitur des Alvin Ailey American Dance Theater - aber diese Einschätzung wird der Juniortruppe der legendären New Yorker Company nicht gerecht. Längst sind die jungen Tänzer von "Ailey II" mit ihrer Leidenschaft, großem Können und innovativen Choreographien aus dem Schatten des ersten Ensembles herausgetreten.
Mit vier spannenden Stücken waren sie bei den Mai-Tanztagen in der Bonner Oper vertreten, und das ausverkaufte Haus machte aus seiner Begeisterung keinen Hehl. Zum Auftakt zelebrierte Thang Daos "Echoes" die pure Schönheit des Tanzes. Erinnerungen des Choreographen an sein Leben in Vietnam, die Ankunft in Amerika - viel lässt sich in das ruhig dahinfließende Ballett hineinlesen.
Doch auch wenn subtile Lichtwechsel einzelne Momente wie Rückblenden hervorheben, wirkt "Echoes" zuallererst durch seine von rauen Streicherklängen gestützte Architektur. Ganz egal, ob die Tänzer allein, zu zweit oder in der Gruppe agieren, die Linien ihrer von klassischen Formen inspirierten Bewegungen sind klar und voller Dynamik.
Viele Hebungen betonen den emporgerichteten Blick, kleine Verschiebungen sorgen mit immer neuen Perspektiven und Fluchtpunkten dafür, dass die Harmonie nicht langweilig wird: An diesem Bewegungsfluss kann sich das Auge nicht satt sehen.
Von poetischer Schlichtheit sind auch die Ausschnitte aus Jessica Langs Solo "Splendid Isolation II": Fana Tesfagiorgis tanzt zu einer Chorversion von "O Maria, Stella Maris" auf der Stelle; die meterlangen Stoffbahnen ihres überdimensionalen, ringsum ausgebreiteten Kleides halten sie gefangen. Zugleich lenken sie mit ihren Wickeleffekten und Faltenwürfen die Konzentration des Betrachters auf die ganz nach innen gewandte Schönheit der Bewegung.
Sechs Männer liefern im Anschluss mit dem Kraftakt "The Hunt" von Robert Battle das größtmögliche Kontrastprogramm. Ein ohrenbetäubender Schlagzeug-Soundtrack treibt die Tänzer durch ihre atavistischen Jagd- und Kampf-Rituale.
Zweifelsohne ist das schweißtreibende Dominanzgebaren der Platzhirsche eindrucksvoll, doch nicht jede, auf Biegen und Brechen athletische Schritt- und Sprungfolge kann das Jagdfieber überzeugend rüberbringen. Die ein oder andere martialische Geste balanciert hart am Rand der Lächerlichkeit.
Nach Ballett und Kampfsport fehlt nur noch ein wenig Broadway, und den holt "Ailey II" mit der meisterhaften Ailey-Choreographie "Revelations" auf die Bühne. Zur mitreißenden Klangkulisse von Kirchenliedern, Gospels und echtem Blues tanzen zwölf New Yorker unterschiedlicher Hautfarbe die Geschichte der Schwarzen in den USA.
Im schon 1960 entstandenen, 30-minütigen Tanz-Spiritual zeigt sich der amerikanische Modern Dance von seiner besten Seite. Ausdrucksvoll erzählt die Choreographie vom Leid der Sklaven; unendlicher tänzerischer Einfallsreichtum illustriert die tiefe Religiosität, bevor festlich gekleidete Menschen mit spritzigen, Revue-ähnlichen Szenen den Aufbruch in bessere Zeiten feiern. "Rocka my Soul" heißt die finale Tanzhymne der Lebensfreude, die das Bonner Publikum als Zugabe gleich noch einmal einfordert.
Das weitere Programm
Mit zwei Gastspielen von Les Grands Ballets Canadiens de Montréal gehen die Mai-Tanztage am 30. und 31. Mai im Opernhaus zu Ende. Die größte Ballettcompagnie Kanadas zeigt mit über 40 Tänzern Christian Spucks Handlungsballett "Leonce und Lena" nach Georg Büchners gleichnamiger Komödie. Karten in den Bonnticket-Shops in den GA-Zweigstellen und bei bonnticket.de. Bisher sahen knapp 5000 Zuschauer die sechs Gastspiele der Compagnien aus Frankreich, Kanada und New York. "Der rege Zuschauerzuspruch zeigt: Bonn ist eine Tanzhochburg", sagte Kurator Burkhard Nemitz gestern.
Artikel vom 24.05.2012
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