2. Bonner Kulturkongress: Kaum neue Erkenntnisse

Bonn. 
Bonn hat eine fantastische, leidensfähige Kulturgemeinde. Gefühlte 150 Podien und Kulturrunden gab es im vergangenen Jahr. Viel wurde geredet, alle kamen, und doch hat sich nicht viel bewegt. Es spricht viel dafür, dass auch 2012 der Diskurs in unverminderter Dichte bei überschaubarem Themenspektrum weitergeführt wird.
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Horst Johanning redete über Kultur.  Foto: Thomas Kliemann

Die treue Gemeinde bleibt am Ball. Um sie muss man sich keine Sorgen machen. Wohl aber um die "Initiative Kultur in Bonn", der offensichtlich beim zweiten Auftritt die Luft ausgegangen ist. Im Sommer 2011 hatte die Initiative vollmundig die 1. Bonner Kulturkonferenz ausgerufen, der Ergebnisbericht sollte spätestens zur 2. Kulturkonferenz präsentiert werden.

Bei der 2. Bonner Kulturkonferenz am Montagabend im Opernfoyer gab es weder Bericht noch offenbar Ergebnisse zu verkünden. Dafür stellte das Veranstaltertrio aus Rolf Bolwin, Geschäftsführer des deutschen Bühnenvereins, Thomas Grundmann, Besitzer des Bouvier Verlags, und dem Urheberrechtler Gerd Pfennig Fragen an eine Phalanx von stadtbekannten Kulturexperten in roten Kunstledersesseln.

Beispiel: "Welche kulturellen Angebote können Sie sich für das 'neue Bonn' vorzustellen (abgesehen von Ihrem eigenen Projekt/Ihrer eigenen Institution)? Welche Gemeinschaftsprojekte aller Bonner Kulturschaffenden können Sie sich vorstellen?" Antwort innerhalb von zwei bis drei Minuten. Die Gäste auf den roten Sesseln machten das Beste daraus und formulierten ihre Wünsche.

Die Kulturmanagerin Rita Baus fordert eine Bonner Kultur-Internetplattform und einen städtischen Platz für ihr geplantes Zeltfestival und andere Aktivitäten. Beethovenfest-Chefin Ilona Schmiel setzt auf "höchste Qualität in der Spitze und Breite", die für jedermann bezahlbar sein müsse, sieht junge Migranten als wichtiges neues Zielpublikum. Schon 2014 soll ein "Crescendo" für die Beethoven-Feierlichkeiten 2020 anheben, an denen sich dann alle Bonner Institutionen beteiligen sollen.

Ruhrtriennale soll das Referenzprojekt sein

Hausherr Klaus Weise, der Generalintendant des Theaters Bonn, erneuerte seinen Vorschlag, eine breite Festivalkultur unter Mitwirkung der gesamten Kulturlandschaft in der Stadt zu etablieren. "Da müssen wir groß denken, unverschämt denken", sagte er und nannte als Referenzprojekt die Ruhrtriennale. Zur Gegenwart: Alles zu erhalten mit immer weniger Geld, sei, so Weise, "ein erbärmliches Konzept".

Jürgen Fohrmann, Rektor der Universität Bonn, forderte, die Uni als kulturellen Partner in Bonn ernstzunehmen und ermahnte die Kultur zu mehr Flexibilität, mehr Sensibilität für ein junges, internationales Publikum. Internationales hat auch der Chef des Contra-Kreis-Theaters, Horst Johanning, im Sinn: Ein englischsprachiges Theater und ein Bonner Theaterpreis wären ihm wichtig, den Tanz wünscht er sich als eigene Sparte zurück, und er sähe gerne mehr kulturinteressierte Politiker in Bonn.

Die lokale Kulturpolitik kam an diesem Abend schlecht weg. Von Mehltau sprach Stephan Eisel (CDU) aus dem Plenum und bemängelte die fehlende Vernetzung von Politik und Kultur. "Kultur ist keine Krücke für verpatzte Bildungspolitik", schimpfte Johanning. Rita Baus meinte, der politische Stillstand mache es schwierig, neue Projekte zu lancieren. Bolwin forderte mehr Tempo von der Kulturverwaltung: Wenn Kulturdezernent Martin Schumacher sein auf zwei Jahre Bearbeitungszeit ausgelegtes Kulturkonzept eines Tages vorlege, habe der Kämmerer bestimmt schon neue Tatsachen geschaffen. Adieu, Konzept.

Ein schlüssiges Konzept täte im Übrigen auch der Bonner Kulturkonferenz ganz gut.

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