Schwarzes Kreuz auf weißem Mantel

Bis 1978 hieß die heutige Kreuzritterstraße zwischen Rastenweg und Mehlemstraße Deutschherrenstraße, und zwar schon seit 1963. Dann, im Zuge der großen Straßen-Umbenennungsaktion nach der kommunalen Neuordnung 1969, bekam die Straße Anfang der 70er Jahre den Namen Kreuzritterstraße.

Foto: Max Malsch

Ramersdorf. Bis 1978 hieß die heutige Kreuzritterstraße zwischen Rastenweg und Mehlemstraße Deutschherrenstraße, und zwar schon seit 1963. Dann, im Zuge der großen Straßen-Umbenennungsaktion nach der kommunalen Neuordnung 1969, bekam die Straße Anfang der 70er Jahre den Namen Kreuzritterstraße.

Schließlich gab es ja in Muffendorf und Lannesdorf auch schon eine Deutschherrenstraße - und doppelte Namen sollten vermieden werden. Deutschherren oder Kreuzritter - damit wird an die Ritter des Deutschen Ordens erinnert, die um 1230 die Kommende in Ramersdorf gegründet haben.

Das genaue Gründungsjahr und die -umstände sind nicht überliefert; aber da die ursprünglich zur Kommende gehörende Georgskapelle, die im 19. Jahrhundert auf den Alten Friedhof nach Bonn versetzt wurde, in der Zeit von 1220-1230 entstand, gehen Historiker davon aus, dass auch die anderen Gebäude der Kommende in dieser Zeit errichtet wurden.

Die erste urkundliche Erwähnung der Kommende findet sich 1254. Wichtigste Aufgabe der zwölf Ritterbrüder, die der Kommende zugerechnet werden, war es, wirtschaftliche Leistungen für den Deutschen Orden zu erbringen. Nach und nach wurde der Orden durch Stiftungen und Schenkungen zum bedeutendsten geistlichen Grundherrn im Raum Bonn.

Und nicht nur hier. Zwischen 1200 und 1300 entstanden im europäischen Raum rund 300 Ordenskommenden im Zusammenhang mit den Kreuzzügen. Der geistliche Ritterorden entwickelte sich aus einer Spitalgenossenschaft, die Lübecker und Bremer Bürger 1190 während der Belagerung von Akko im Heiligen Land gestiftet hatten.

1198/9 wurde die Genossenschaft in einen geistlichen Ritterorden umgewandelt. Sein Kennzeichen: das schwarze Kreuz auf weißem Mantel. Die Aufgaben waren sowohl karitativ als auch militärisch: Schutz, Geleit und Pflege der Pilger auf dem Weg ins Heilige Land in ordenseigenen Herbergen und Hospizen sowie die Verteidigung der heiligen Stätten.

Später beteiligten sich die Deutschherren an der deutschen Ostkolonisation und gründeten im Baltikum den eigenen Deutschordensstaat. Um 1400 setzte der allmähliche Niedergang des Kreuzritterordens ein. Heute handelt es sich um einen klerikalen Orden mit karitativen Aufgaben, das Ritterelement wurde nach dem Ersten Weltkrieg aufgelöst.

Die Kommende Ramersdorf ging nach der Säkularisation 1803 in wechselnden Privatbesitz über. Dass die Ramersdorfer sich heute noch an "ihrer" Kommende erfreuen können, ist übrigens dem Engagement des Beueler Heimat- und Geschichtsvereins unter Professor Doktor Heinrich Neu und anderer engagierter Bürger zu danken, die sich Anfang der 70er Jahre dafür einsetzten, das Schmuckstück beim Bau des Autobahnkreuzes von A 59 und 562 zu erhalten.

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