Berufsfahrer raten vom Überholen auf der Kennedybrücke ab

"Die neue Kennedybrücke bietet mehr Raum für alle Verkehrsteilnehmer." Das behauptete die Stadt Bonn vollmundig im April 2007 zum Baubeginn. Der GA machte jetzt den Praxistest.
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Zwei Taxis hintereinander auf der Brücke: Der Test zeigt, Überholen auf der 4,75 Meter breiten Spur ist so gut wie unmöglich. Selbst wenn die Warnbaken von der Fahrspur entfernt sein werden, dürften zwei Fahrzeuge kaum nebeneinander herfahren können. Foto: Volker Lannert

Bonn. "Die neue Kennedybrücke bietet mehr Raum für alle Verkehrsteilnehmer." Das behauptete die Stadt Bonn vollmundig im April 2007 zum Baubeginn. Und dokumentierte auf einem Querschnittsplan, dass nicht nur Fußgänger und Radfahrer von einer breiteren Brücke profitieren, sondern auch die Autofahrer, weil sie (weiterhin) zweispurig die Brücke überqueren können.

So viel zur grauen Theorie. Am 6. August 2010, als die erste Fahrspur auf der Brücke freigegeben wurde, titelte der General-Anzeiger: "Überholen praktisch unmöglich". Seitdem zeigt sich täglich im Verkehr: Die Autos fahren auf der überbreiten Spur Kolonne, ein Nebeneinander ist kaum zu schaffen. Kaum? Der GA machte am Dienstag den Praxistest: Schaffen es zwei Berufskraftfahrer, mit ihren Autos zweispurig nebeneinander herzufahren?

Meinung Kommentar Lesen Sie dazu auch den Kommentar " Fern der Realität"

Das Ergebnis war eindeutig: Die Taxis, von Spiegel zu Spiegel jeweils 2,10 Meter breit, passten nur hintereinander. Den Versuch, sich nebeneinander zu setzen, wagten selbst die beiden langjährigen Berufs-Chauffeure nicht. Allerdings standen am Dienstag immer noch die rot-weißen Warnbaken auf der Fahrbahn.

Und die Stadt, die im theoretischen Querschnittsplan vor drei Jahren noch ganz bequem das zweispurige Fahren für möglich hielt: Was rät sie den Autofahrern? Da hieß es am Dienstag diplomatisch, die Straßenverkehrsordnung zu beachten - also rechts fahren, links überholen.

Auf Nachfrage sagte eine Sprecherin des Presseamtes, es gebe keine Empfehlung, einspurig zu fahren. "Es wurde immer gesagt, es gibt eine überbreite Spur, auf der man zweispurig aneinander vorbei kommt", so die Antwort. Daran habe sich nichts geändert. Im übrigen habe der Zuschussgeber nur eine überbreite Fahrbahn ohne Markierungen gefördert. "4,75 Meter war das Maximale, was da rauszuholen war", so die Sprecherin.

Die Gesetzeslage ist dabei eindeutig. Fahrstreifen müssen nicht markiert sein, um nebeneinander herfahren zu dürfen. Keine Empfehlung wollte die Polizei abgeben. Deren Verkehrskommissariat sei nur für die Überwachung zuständig, aber nicht für die Planung einer Straße, hieß es.

Überholen auf der Brücke? Das sagen Berufskraftfahrer
  • "Das geht eindeutig nur einspurig. Für Autofahrer hat sich die Situation verschlechtert, früher sind doppelt so viele Autos über die Brücke gekommen." Axel Arenz, Taxifahrer
  • "Besser eine breite als zwei zu

    enge Spuren. Ich sehe das Problem eher in Beuel, wo die Straße in zwei abmarkierte Spuren übergeht, die viel zu schmal sind."

    Uwe Schenkelberg, Fahrlehrer

  • "Eine unglückliche Lösung. Erst geht es zweispurig auf die Brücke, dann kommt eine Verengung. Außerdem sind die Bordsteinkanten absolute Reifenkiller."

    Ludger Söns, Lkw-Instruktor

  • "Überholen ist unmöglich, jeder zieht das Lenkrad mal nach links oder rechts. Zweispurig können hier nur Leute fahren, die ihre Spiegel nicht mehr brauchen."

    Marco Roitzheim, Taxifahrer

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