Das GA-Torfieber grassiert wieder
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Ein kalter Wind bläst Jägern und Treibern an diesem Dezembermorgen ins Gesicht. Es ist die letzte von 26 so genannten Ansitz-Drückjagden im Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft. "Herbst ist Jagdzeit. Da müssen wir raus, egal wie das Wetter ist. Um eine naturnahe Waldwirtschaft zu betreiben, müssen wir den Wildbestand regulieren. Wildschwein und Reh haben nämlich keine natürlichen Feinde", erklärt Revierförster Uwe Fandler.
Für eine erfolgreiche und sichere Treibjagd bedarf es einer guten Planung, treffsicherer Jäger, motivierter Treiber und gut ausgebildeter Hunde. "Ohne die Hunde wäre die Jagd auf Wildschweine und Rehe im dichten Unterholz gar nicht möglich", sagt Fandler. Die Treiber tragen dornenfeste Kleidung und orangefarbene Signaljacken. Ihr Job ist an diesem Tag nicht nur frostig, sondern auch nass: Sie müssen das Wild aus dem Unterholz heraustreiben - dabei ist Kondition gefragt. Behilflich sind ihnen dabei die Hunde, deren unbändiger Jagdtrieb sie vor Dornen und Brennneseln schmerzresistent macht.
Das Augenmerk der Schützen, die auf 20 Ansitze verteilt worden sind, liegt vor allem auf dem Schwarzwild. 2011 war ein gutes Mastjahr, der Waldboden lag voller Eicheln und Bucheckern. Die Förster wissen, dass Wildscheine im nächsten Jahr oft und viel Nachwuchs haben werden. "Nach fetten Futterjahren kann eine Bache bis zu dreimal im Jahr Frischlinge absetzen. Soviel Wildschweine kann unser Wald nicht verkraften", sagt Uwe Schölmerich, Leiter des Regionalforstamtes. Und merkt an, dass der Wildbestand in der Region ausgewogen und gut reguliert ist.
Wird die Wildschwein-Population durch die Jagd nicht in Schach gehalten, nähmen die Schäden in Wald und Flur zu stark zu. Und das wiederum wäre ärgerlich für die Jagdpächter, denn die müssen Landwirten die Schäden ersetzen. Die Jäger geben ihr Bestes: In der Jagdsaison 2010/2011 wurden in Deutschland ungefähr 68.000 Rothirsche, 580.000 Wildschweine, 62.500 Damhirsche und rund 1,14 Millionen Rehe erlegt. In Bonn gibt es derzeit 882 Jäger mit einem gültigen Jagdschein.
Die Waldfläche im Zuständigkeitsbereich des Regionalforstamtes (RFA) Rhein-Sieg-Erft, in dem aus Gründen des Umweltschutzes stets mit bleifreien Kugeln geschossen wird, ist fast 60.000 Hektar groß. Rund 2,4 Millionen Menschen wohnen auf dieser Fläche. Damit ist das Regionalforstamt das zweitgrößte in Nordrhein-Westfalen. Es ist im Zuge der Forstreform 2007 aus den ehemaligen Forstämtern Bonn, Eitorf und teilweise Bergisch Gladbach entstanden und hat insgesamt zwei Dienstsitze in Eitorf und im Bonner Stadtteil Röttgen.
Mittags kommen Jäger und Treiber der Ansitz-Drückjagd zur Mittagsrast: Christa und Gertrud Cremer haben eine deftige Fleischsuppe, selbst gebackenen Kuchen und Kaffee im Angebot. Nach der Pause geht es wieder raus in die Reviere zur zweiten Halbzeit.
Nach getaner Arbeit verblasen die Jagdhornbläser die Strecke: zehn Wildschweine und neun Rehe. "Gute Ausbeute, das Jagdglück war uns heute hold. Die Bewegungsjagd ist für die effektive Bejagung des Wildes eine sehr gute Methode. Es ist besser, an einem Tag den nötigen Abschuss zu tätigen, als an vielen Tagen dem Wild nachzustellen und es immer wieder neu zu beunruhigen", sagt Schölmerich.
Artikel vom 29.12.2011