Das GA-Torfieber grassiert wieder
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Bonn. Viele Tiere und Pflanzen ziehen sich in der kalten Jahreszeit zu einem Winterschlaf zurück. Nicht so die Menschen: Sie suchen nahezu die Natur, die kalte frische Luft. Ein morgendlicher Spaziergang oder Jogginglauf rund um die Annaberger Wiese bedeutet für viele Bonner Erholung und Erfrischung.
Stadtförsterei und Regionalforstamt pflegen viele Kilometer Waldwege, um den Naherholungsraum Wald für die Menschen zu erschließen - auch im Winter. Abseits der Wege laufen viele Prozesse ab, die der Waldbesucher höchstens erahnen kann. Siebenschläfer, Fledermäuse oder Haselmäuse fallen in einen regelrechten Winterschlaf.
Dazu suchen sie geschützte Orte wie hohle Baumstämme und Erdhöhlen auf und polstern diese mit trockenem Gras, Blättern und Haaren aus. In ihrem Unterschlupf verbringen sie meist zu mehreren Tieren mit eng zusammengezogenem Körper den Winter in einem energetischen Sparzustand.
"Die Körpertemperatur sinkt, Herzschlag und Atmung werden langsamer. Nahrung wird selten bis gar nicht aufgenommen, denn die Tiere zehren von ihren Fettreserven", erklärt Stephan Schütte vom Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft. Der Winterschlaf dauert beim Siebenschläfer - wie der Name schon sagt - sechs bis sieben Monate.
Die Tiere verfallen dabei aber nicht in einen Dauerschlaf. Vielmehr verläuft der Schlaf häufig in Abschnitten, wobei sich längere Ruhe- mit kurzen Wachphasen abwechseln. Neben dem Winterschlaf gibt es noch das Phänomen der sogenannten Kältestarre bei vielen wechselwarmen Tierarten (Insekten, Schnecken, Kröten, Frösche, Lurche). Alle Lebensvorgänge werden dabei auf nahezu Null zurückgefahren.
Für alle Tiere ist im Winter das Nahrungsangebot knapp. Pflanzenfresser wie Reh- und Damwild finden nur kärglich Nahrung: Knospen, Blätter von Brombeeren und Illex, altes Gras. Wildschweine können stark gefrorenen Boden nicht mehr zur Nahrungssuche durchwühlen.
"Doch im Gegensatz zu der weit verbreiteten Ansicht, man müsse Tiere im Winter füttern, haben sich diese im Lauf der Evolution auf Nahrungsengpässe eingestellt", so Schütte im Gespräch mit dem GA. Im Winter beugt das dichte Winterhaar einem Wärmeverlust vor. Mit gutem Fettpolster aus Sommer und Herbst geht es in den Winter. Jedes Aufscheuchen durch einen Wanderer abseits der Wege oder durch einen nicht angeleinten Hund führt zu einem hohen Energieverbrauch und letztlich dazu, dass die Tiere geschwächt werden und Hunger leiden, weil sie ihre Nährstoffreserven aufbrauchen.
Im Winter haben die Bäume ihr Wachstum eingestellt. Nach dem herbstlichen Laubabfall ragen die Äste und Zweige der Laubbäume kahl in den Himmel. Die immergrünen Nadelbäume wie Fichte oder Kiefer können dem Frost wegen der kompakten Bauform ihrer Nadeln gut widerstehen, stellen aber im Winter trotzdem ihr Wachstum ein. "In Bonn und in der Region würde es von Natur aus keine Nadelwälder geben. Diese wurden von Waldbesitzern und Forstleuten angepflanzt, um mehr Holz zu produzieren", betont Förster Schütte.
Der jahreszeitliche Wechsel ist auch der Grund für die Bildung von Jahrringen. Während der Winterruhe ruht das Wachstum. Es bildet sich kein Holz im Stamm. Im Frühjahr mit steigenden Temperaturen und Laubausbruch beginnt dann das Baumwachstum wieder stark, und im Stamm werden große Holzzellen gebildet.
Im Verlauf des Sommers und Herbstes geht dann das Wachstum wieder zurück und es bilden sich kleine Holzzellen. So entstehen die typischen Jahrringe, an denen man das Alter der Bäume ermitteln kann.
Artikel vom 25.02.2011