Das GA-Torfieber grassiert wieder
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Bonn. Herbstzeit ist Erntezeit - vor allem im Wald. Forstwirt-Azubis sind derzeit im Kottenforst und Siebengebirge unterwegs und sammeln Eicheln und Bucheckern. Und in diesem Jahr lautet ihr Auftrag: besonders viele und gute Baumfrüchte heraussuchen.
Diese Sammelleidenschaft hat auch einen Grund: Ab 2020 dürfen in der freien Landschaft nur noch Sträucher und Bäume gepflanzt werden, die aus heimischem Saatgut herangezogen worden sind. Das besagt das jüngst novellierte Naturschutzgesetz. Mit dieser Entscheidung kommt der Samenplantage des Regionalforstamtes Rhein-Sieg-Erft eine besondere Bedeutung zu, denn sie ist die einzige ihrer Art in Nordrhein-Westfalen.
"2011 ist ein gutes Mastjahr. Das bedeutet, dass sehr viele Bucheckern und Eicheln an den Bäumen hängen", sagte Förster Stephan Schütte. Seine Mitarbeiter suchten in den vergangenen Wochen besonders wertvolle Baumriesen im Wald aus und legten darunter Sammelnetze aus. Eine Eiche trägt bis zu 60 Kilogramm Früchte. In Stückzahlen heißt das rund 20 000 Eicheln pro Baum, und aus jeder Frucht kann theoretisch ein neuer Baum herangezogen werden.
Die im Wald gesammelten Früchte von Bäumen und Sträuchern werden mit Hilfe von Sieben vom Waldboden gereinigt, in Säcke gefüllt, mit einer Notiz über das Herkunftsgebiet versehen und dann an Baumschulen verkauft oder in die Samenplantage des Forstamtes nach Brühl gebracht.
Da aber nicht jedes Jahr soviel Ertrag an den Bäumen hängt, züchtet die Samenplantage selbst Bäume und Sträucher, um eine kontinuierliche Vermehrung von qualitativ sehr hochwertigem Saatgut zu garantieren. Bei der Produktion des "Nachwuchses" wendet das Forstamt in der Plantage einen Trick an: Da Bäume erst in einem Alter von 40 bis 50 Jahren geschlechtsreif sind und das Einsammeln von Samen in hohen Bäumen sehr mühsam ist, schießen Förster mit Gewehr oder Armbrust geschlechtsreife Zweige aus den Bäumen, die dann auf eine sogenannte Baumunterlage (meist Kirschbaum) gepfropft werden und bereits ein Jahr später Samen tragen.
So kann dann wie in einer Obstplantage auf Augenhöhe geerntet werden. "Mit den Samen aus Eiche und Buche bauen wir mittelfristig die Fichtenwälder in Mischwälder um. Die jungen Bäume kaufen wir in den Baumschulen, an die wir unser Saatgut verkauft haben", so Schütte.
Zwischen Bornheim und Brühl züchtet die Samenplantage auf einer Fläche von 40 Hektar Saatgut für 50 Millionen Bäume und Büsche jährlich. Mit dem Saatgut erwirtschaftet das Forstamt pro Jahr rund 25 000 Euro.
Artikel vom 31.10.2011