Handwerker bringen Holz zum Klingen

Orgelbau Klais und Geigenbau Greiner schätzen den Werkstoff wegen seiner Langlebigkeit.
Bild 1 von 2

 Foto: Holger Willcke

Bonn. Wenn Philipp Klais mit seiner Hand über ein Holzbrett streicht, dann steht diese Kontaktaufnahme für den Beginn eines intensiven Fertigungsprozesses. Der Werkstatt-Chef des bekannten Bonner Orgelbau-Unternehmens sucht mit seinen Kollegen Hölzer aus, die sich am besten für den Bau einer Orgel eignen.

"Holz ist für uns der bedeutendste Rohstoff. Eine Orgel besteht zu circa 70 Prozent aus Holz", erzählt Klais. 400 Stämme lagern im Holzlager der Werkstatt an der Kölnstraße - vorwiegend Eichen und Fichten. Die Eichenstämme, die Klais verarbeitet, sind zwischen 180 und 210 Jahre alt.

Orgelbau Klais 1882 gründete Johannes Klais das Unternehmen. Seitdem baut die Bonner Firma Orgeln für Kirchen und Konzerthallen in der ganzen Welt. Heute leitet Philipp Klais den Traditionsbetrieb in der vierten Generation.

Derzeit restauriert die Werkstatt in der Kölnstraße das Orgelgehäuse von Sankt Max in Düsseldorf. Das Musikinstrument von 1756 erhält eine komplett neue Orgeltechnik.

"So lange braucht diese Baumart, bis sie die Größe für den Orgelbau hat", sagt der 44-Jährige. Mit einigen Forstbetrieben arbeitet die Werkstatt schon seit mehr als 100 Jahren zusammen. Die Eichen bekommt Klais aus Deutschland, die Fichten aus Österreich. "Für Nadelhölzer suchen wir uns Regionen aus, die zwischen 600 und 900 Meter hoch liegen. Dort wachsen die Bäume langsamer, was sich positiv auf die Qualität des Holzes auswirkt", so der Orgelbauer.

Die Bäume für das Bonner Unternehmen, das auf der ganzen Welt Orgeln baut und restauriert, werden nach Mondphasen geschlagen - und zwar bei abnehmendem Mond. Warum? Während dieser Phase besitzen Bäume keine aufsteigenden Säfte. Das Holz befindet sich also in einer Art Ruhephase und ist somit weniger schädlingsanfällig.

Philipp Klais tritt für eine nachhaltige Holzwirtschaft ein. Will heißen: Wer Bäume erntet, muss auch im selben Umfang neue nachpflanzen, damit zu jeder Zeit ausreichend Holz vorhanden ist. "Holz ist ein unschlagbarer Werkstoff, der bei konstanter Leistungsfähigkeit Jahrhunderte alt werden kann", erklärt der Bonner Orgelbauer. Jeglichen Kunststoffen fehle die Beständigkeit.

Einer, der Holz im wahrsten Sinne des Wortes zum Schwingen bringt, ist Stefan-Peter Greiner. Als Geigenbauer hat er sich mittlerweile weltweit einen Namen gemacht. Selbst Anne-Sophie Mutter steht auf der Warteliste. Die Künstlerin besitzt zwar zwei kostbare Stradivari-Violinen, aber ein Instrument aus der Bonner Edelschmiede steht noch auf der Wunschliste des Weltstars.

Geigenbau Greiner

1990 machte sich Stefan-Peter Greiner in Bonn selbstständig und eröffnete 1995 seine Werkstatt in der Argelanderstraße. Der gebürtige Stuttgarter kam 1987 in die Bundesstadt und absolvierte hier seine Ausbildung bei Geigenbauer Sören Nordemalm.

Greiner verwendet für seine Geigen vorwiegend Fichtenholz aus dem alpinen Raum, was mindestens 400 Jahre alt sein sollte.

"250 Musiker haben bei mir eine Geige bestellt und müssen sich leider gedulden", sagt Greiner. Der Bonner Geigenbauer fertigt pro Jahr zwischen zehn und 15 Instrumente. In seinem Lager ruhen zwei Fichten, die Greiner 1989 in der Nähe von Kitzbühl ausgesucht hat. "Das Holz muss alt sein und aus alpinen Lagen stammen.

Erst dann ist es für den Geigenbau wirklich gut geeignet. In aller Regel nimmt man für den Geigenboden Fichtenholz, weil es ein hervorragendes Resonanzholz ist", erklärt der dreifache Familienvater. Die beiden Fichtenstämme würden eigentlich für die Schaffensperiode Greiners ausreichen. Sie liefern Holz für mindestens 500 Instrumente. Aber hin und wieder verarbeitet der Bonner auch andere Hölzer.

Gefragt nach seinem persönlichen Verhältnis zu Holz, antwortet Greiner: "Ich drücke mich mit Holz aus. Holz besitzt eine enorme Leistungsfähigkeit und Ausdauer." Der Geigenbauer besitzt ein Cello aus dem Jahre 1850. Der Baum war zum Zeitpunkt der Verarbeitung etwa 400 Jahre alt. "Alter macht Holz nicht viel aus, wenn es fachlich richtig gelagert wird. Wir Geigenbauer legen großen Wert darauf, dass Forsteigentümer Bäume alt werden lassen", betont der Bonner.

Artikel bookmarken bei... Facebook retweet Del.icio.us in Google Bookmarks speichern bei Mister Wong speichern bei Webnews speichern Yigg
Abo-Bestellung

Anzeigen

Anzeige

Anzeigen