Das GA-Torfieber grassiert wieder
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Bonn. Für viele Menschen in der Region ist es eine Selbstverständlichkeit, in einer herrlichen Naturlandschaft zu leben. Der Waldanteil liegt bei circa 30 Prozent, ein Natur- oder Landschaftsschutzgebiet reiht sich an das nächste. Das Siebengebirge lockt mit einem wertvollen Buchenbestand, der Kottenforst ist Heimat alter Eichen.
Doch um diese Naherholungsräume für die nachfolgenden Generationen zu erhalten, müssen viele Anstrengungen unternommen werden. Teile des Siebengebirges (fast 600 Hektar) wurden im vergangenen Jahr zu einem Wildnisgebiet erklärt. Befreit von jeglichen holzwirtschaftlichen Zwängen, können Buchen dort jetzt alt werden.
Für den Kottenforst und die angrenzenden Waldnaturschutzflächen bis nach Brühl hat sich der Landesbetrieb Wald und Holz etwas anderes überlegt: Eichen- und Buchenwälder, die darin lebenden geschützten Tier- und Pflanzenarten sowie im Wald liegende Wiesen sollen durch ein EU-Projekt namens Life+ ökologisch optimiert und entwickelt werden.
Der Landesbetrieb hat in enger Zusammenarbeit mit den Biologischen Stationen und Unteren Landschaftsbehörden in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis eine Projektskizze entwickelt und diese mit der Bezirksregierung, dem Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) und dem NRW-Umweltministerium abgestimmt. Das Konzept fand Anklang.
Folge: Der Landesbetrieb erhielt den Auftrag, sich bei der Europäischen Union um besagte Fördergelder zu bewerben. "Bis Mitte des Jahres müssen wir gemeinsam mit der Biologischen Station Bonn den detaillierten Projektantrag formulieren und ihn dann auf seinen schwierigen Weg bringen", erklärte Forstdirektor Uwe Schölmerich. Der Leiter des Regionalforstamtes Rhein-Sieg-Erft rechnet damit, dass bis Mitte 2012 eine Entscheidung in Brüssel getroffen worden ist.
Sollte die EU-Kommission grünes Licht geben, dann fließen mehrere Millionen Euro von Brüssel nach Bonn. Mit diesem Geld soll eine Aufgabenliste abgearbeitet werden, die mangels Finanzen seit Jahren länger wird. Zum Beispiel soll durch hydrologische Maßnahmen die Bodenbeschaffenheit im Kottenforst für die Eichenwälder - sie zählen zu den wertvollsten in Nordrhein-Westfalen - verbessert werden. "Im Kottenforst gibt es Bodenschichten, auf denen sich Niederschläge stauen. Diese Staunässe ist dafür verantwortlich, dass sich die Eichenwälder gegenüber der Buche durchsetzen können", erklärte Schölmerich.
Es ist zum Beispiel daran gedacht, alte Entwässerungsgräben zu verschließen, um durch diese Maßnahme mehr Wasser in manchen Flächen zu halten. Des weiteren sollen durch Forschungsprojekte Maßnahmen gefunden und ungesetzt werden, um Tier- und Pflanzenarten zu fördern. Hierzu sind Bestandserhebungen und Kartierungen von Arten und Lebensräumen geplant. Auch ein Alt- und Totholz-Kataster soll zusammengestellt werden, um Bruthöhlen für Vögel zu vermehren.
Sieben Jahre wollen die Biologen und Forstleute den heimischen Wald unter die Lupe nehmen. In dieser Zeit wollen die Naturschützer gefährdeten Tierarten das Überleben in der Region erleichtern. Dabei stehen zum Beispiel folgende Tiere im Fokus: Bechstein-Fledermaus, Rotmilan, Gelbbauchunke, Eisvogel und Kammmolch. Die mittlerweile im Kottenforst ausgestorbene Ringelnatter soll im Zuge der Projektmaßnahmen wieder angesiedelt werden.
Das Projektgebiet umfasst vier Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Gebiete und ist insgesamt mehr als 4 000 Hektar groß.
Artikel vom 20.05.2011