Das GA-Torfieber grassiert wieder
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Bonn/Region. Die Waldflächen der Region Bonn/Rhein-Sieg umfassen eine Größe von circa 55 000 Hektar. Das entspricht etwa 83 000 Fußballplätzen. Dort wachsen rund 40 Millionen Bäume.
Dieser Wald wird nach forstgesetzlichen Vorgaben von Waldbesitzern und Forstleuten nachhaltig bewirtschaftet. Dabei sind ökologische, ökonomische und soziale Ansprüche zu erfüllen. Ziel der nachhaltigen Forstwirtschaft ist es, naturnahe, artenreiche und zugleich stabile Wälder aufzubauen. Die Selbststeuerungsmechanismen und natürlichen Abläufe des Waldökosystems werden dabei genutzt, forstwirtschaftliche Eingriffe minimiert. So entstehen alters- und artengemischte Wälder.
Voraussetzung für den Erhalt vitaler Wälder ist die regelmäßige Durchforstung, die alle fünf bis zehn Jahre erfolgt. Je Durchforstungseingriff und Hektar werden rund 30 Kubikmeter Holz entnommen. Der nachwachsende Rohstoff Holz steht am Beginn einer Wertschöpfungskette, die mit dem Fällen der Bäume im Wald beginnt. Es folgt die industrielle oder handwerkliche Weiterverarbeitung. Am Ende steht etwa ein Möbelstück im Haus.
Die deutsche Holzwirtschaft beschäftigt 800 000 Menschen. Als Faustregel gilt: Je 100 Kubikmeter Holz wird ein Arbeitsplatz gesichert. Bezogen auf die jährliche Nutzung von etwa 165 000 Kubikmetern im Rhein-Sieg-Kreis und Bonn bedeutet das 1 650 Arbeitsplätze.
Die Holzverwendung ist sehr vielseitig. Die wertvollsten Baumstämme, insbesondere Eichen, Buchen, Eschen und Kirschen, werden an die Furnierindustrie verkauft. Dazu findet jährlich zentral für das gesamte Rheinland Anfang Februar eine Versteigerung auf der Waldau statt. "Die Bonner Holzsubmission zeigt die Leistungsfähigkeit und Qualität heimischer Waldwirtschaft", sagt Stephan Schütte, als Fachgebietsleiter zuständig für den Holzverkauf im Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft.
Die Eiche ist traditionell das Aushängeschild der Veranstaltung, daneben ist das edle Holz der Wildkirsche sehr geschätzt. Dieser Baum findet im milden rheinischen Klima sehr gute Wuchsbedingungen.
Verkauft wird das Holz im Wege der Submission, die Gebote werden vor der Versteigerung schriftlich abgegeben. "Viele Holzkäufer aus ganz Deutschland haben den Termin fest im Plan", so Schütte. Dass die Versteigerung auch für Holzverkäufer eine interessante Plattform bietet, zeigt die Herkunft der guten Stämme. Sie stammen aus dem gesamten Rheinland.
Das Stammholz von Fichte, Kiefer und Lärche wird an die Sägewerke verkauft. Diese zersägen die Stämme zu Balken und Brettern, die überwiegend zum Bau von Hausdächern und Holzhäusern verwendet werden. Da der Bau von Häusern in Deutschland vor dem Hintergrund der abnehmenden Bevölkerung rückläufig ist, wird heute circa ein Drittel der deutschen Nadelschnittholzproduktion ins Ausland exportiert.
Die dünnen Nadelholzstämme aus jungen Waldbeständen werden entweder zu Papier oder zu Spanplatten verarbeitet. Das gleiche galt früher auch für das dünne und krumme Laubholz. Dieses wird mittlerweile allerdings nahezu komplett als Brennholz für Kamin und Ofen genutzt. In der Region schätzt das Regionalforstamt die jährliche Einschlagsmenge des Brennholzes auf rund 40 000 Kubikmeter. Das ist fast ein Viertel des Gesamteinschlages.
Das Brennholz wird zum einen von professionellen Brennholzfirmen gekauft, die die Stämme in kleine Stücke sägen, spalten, trocknen und den Kunden ofenfertig vor die Haustüre anliefern. Wer es preiswerter haben will, kann aber auch kleine Mengen direkt beim Forstamt oder privaten Waldbesitzern kaufen - entweder bereits als kleine Stämme am Weg oder als Kronenholz im Wald. Preis: circa 20 bis 35 Euro pro Raummeter.
Das Zersägen und Spalten sowie der Abtransport ist dann aber Angelegenheit des Käufers, wenn er die dazu erforderliche fachliche Qualifikation und Ausrüstung vorweisen kann. Das Regionalforstamt bietet hierzu einen sogenannten Brennholzführerschein an, bei dem in einem zweitägigen Kurs der Umgang mit der Motorsäge geschult wird.
Wer Holz als Bau-, Werk- oder Brennstoff nutzt oder Produkte aus Holz verwendet, hat eine klimabewusste Entscheidung getroffen. In verarbeitendem Holz bleibt der darin gespeicherte Kohlenstoff über die gesamte Nutzungsdauer gebunden.
In einem Einfamilienhaus aus Holz inklusive den darin enthaltenen Holzmöbeln und -böden sind zum Beispiel bis zu 80 Tonnen Kohlendioxid gespeichert. Wer mit Brennholz heizt, handelt klimaneutral, denn beim Verbrennen wird genau diejenige Menge an Kohlendioxid frei, die vorher beim Wachstum aus der Atmosphäre gebunden wurde.
Artikel vom 26.01.2011