Bei Wind und Wetter im Wald

Das Regionalforstamt stellt jährlich zehn Forstwirt-Auszubildende ein.

Fällen einer Fichte: Die angehenden Forstwirte lernen den Umgang mit der Motorsäge. Foto: Holger Willcke

Bonn. Mit kräftigen Hieben schlägt Florian Faust (21) einen Eisenkeil in die rückwärtige Schnittkante einer Rotfichte. Martin Hassel (20) startet die Motorsäge, setzt auf der gegenüberliegenden Seite des Stamms den letzten Schnitt an, und wenige Sekunden später kracht der von Borkenkäfern zerfressene Baum auf den Waldboden. Ausbildungsleiter Jörg Olbert nickt und streckt den Daumen nach oben.

Die beiden angehenden Forstwirte sind jetzt im Spätsommer täglich im Wald unterwegs und fällen kranke Bäume. "Das Thema Holzwirtschaft bildet einen Schwerpunkt in der Ausbildung zum Forstwirt. Die jungen Leute werden sich in ihrem späteren Berufsleben intensiv mit dem Kreislauf - Pflanzen, Pflegen, Ernten - auseinandersetzen müssen. Deshalb bereiten wir sie darauf auch intensiv vor", erklärt Olbert. Der Forstwirtschaftsmeister ist einer von mehreren Ausbildern des Regionalforstamtes Rhein-Sieg-Erft.

Revierförster Das Regionalforstamt bildet ständig zwei angehende Revierförster aus. Die Chancen zur Übernahme in den Landesdienst verbessern sich, da in den nächsten Jahren viele Förster in Pension gehen. Erforderlich ist ein Studium an einer der fünf forstlichen Fachhochschulen in Hildesheim-Holzminden, Erfurt, Rottenburg, Weihenstephan und Eberswalde. Nach dem Studium folgt ein einjähriger Vorbereitungsdienst bei einer Landesforstverwaltung. Nach bestandener Laufbahnprüfung Einstellung in Landesdienst als Forstinspektor.

Für manchen ist Förster/Forstwirt ein Traumberuf. Ist der Ruf berechtigt? "Wer die Natur liebt, keine körperliche Arbeit scheut und teamfähig ist, der ist bei uns richtig und erlernt einen abwechslungsreichen Beruf, der zufrieden machen kann", betont Olbert. Seine Schüler hören aufmerksam zu. "Genau deshalb, will ich Forstwirt werden. Ein Bürojob ist für mich unvorstellbar", sagt Juán Ortiz (16).

Drei Jahre dauert die Ausbildung zum Forstwirt. Nach zwei Jahren gibt es eine Zwischenprüfung, ein Jahr später werden die Kenntnisse in Waldwirtschafts- und Landschaftspflege, in Holzernte und Forsttechnik sowie in Wirtschafts- und Sozialkunde in Praxis und Theorie geprüft. Nach bestandener Prüfung erhalten alle Jung-Forstwirte beim Landesbetrieb Wald und Holz einen Zeitvertrag für ein Jahr. "Als fertiger Forstwirt kann man sich bei privaten und staatlichen Waldbesitzern genauso bewerben wie bei Landschaftsbauunternehmen oder Baumfälldiensten", sagt Olbert.

Die Einstellungschancen nach erfolgreicher Ausbildung stünden gut. "Das Forstliche Bildungszentrum im Sauerland erstellt seit drei Jahren eine sogenannte Verbleibanalyse. Danach sind alle unsere Azubis in Betrieben untergekommen."

Pro Jahr stellt das Regionalforstamt zehn Azubis ein. Das bedeutet, dass stets 30 Forstwirtanwärter beschäftigt werden müssen. "Wir versuchen die Auszubildenden wohnortnah auf die Forstbezirke zu verteilen", sagt Olbert. Auf diese zehn Stellen gibt es rund 80 Bewerber, die entweder einen Hauptschul- oder Realschulabschluss vorweisen müssen. Sie werden in Sachen Geschicklichkeit und Allgemeinbildung geprüft. Danach folgt das persönliche Vorstellungsgespräch. "Es gibt auch immer wieder mehrere weibliche Kandidaten in einem Ausbildungsjahr. Die jungen Frauen bestehen die Prüfungen überdurchschnittlich gut", berichtet der Forstwirtschaftsmeister.

Wer sich nach der Forstwirtslehre weiterbilden will, kann das Fachabitur ablegen und Forstwirtschaft studieren. Der Landesbetrieb Wald und Holz gibt auch Jugendlichen mit einer Lernbehinderung eine Zukunftschance. Sie können eine dreijährige Ausbildung zum sogenannten Werker absolvieren. Stimmt die Abschlussnote, kann ein Werker sich anschließend für eine Lehre als Forstwirt bewerben. Martin Hassel ist einer von ihnen, er ist im ersten Ausbildungsjahr. "Martin entwickelt sich prima", sagt Olbert.

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